(Anti-)”Postmoderne” Oberflächlichkeit
Veröffentlicht: 20. Dezember 2011 Einsortiert unter: Allgemeines | Tags: Oberflächenebene, Postmoderne, Postmodernismus Schreibe einen Kommentar »Viele reden von “postmoderner Verantwortungslosigkeit”, aber nur wenige wollen sie übernehmen.
Wenn mit ‘Postmoderne’ die Zeit als solche, als Epoche etc., gemeint ist, könnte man spekulativ von “Verantwortungslosigkeit” sprechen. Dafür muss man aber interpretativ (subjektiv) definieren (intersubjektiv kommunizierbar machen): Was ist Verantwortungslosigkeit und was ist diese postmoderne Zeit? Da wird es dann schon eine Herausforderung, die über das Postulieren von oberflächlich normativistischen Sätzen und Bedeutsamkeits-Parolen hinausgeht.
Man kann mit ‘Postmoderne’ auch eine/’die’ philosophische, erkenntnistheoretische (und teils sozialwissenschaftliche) Interpretation und Herangehensweise an gesellschaftliche, sozialstrukturelle etc. Phänomene und Bedingungen meinen/verbegrifflichen/zuordnen.* Wenn man eine solche (näher dann wiederum subjektiv definierte) Begriffszuschreibung von Postmoderne (als mit gewissen Charakteristika beschreibbare Perspektive[n] menschlicher Interpretatoren auf soziale Phänomene) verwendet, sollte man entweder genauer werden, oder sich solcher pauschaler Begriffsverbindungen – wie z.B. Postmodernismus und “Verantwortungslosigkeit”, “völlige Beliebigkeit”, etc. – weglassen. Entweder stellt man sich der Auseinandersetzung anhand näher beschriebener Einschätzungen und Interpretationen (von Postmodernismus und dessen Zugang zu sozialen Phänomenen) oder man verbleibt in weisem Schweigen. Für Parolen im Bereich der reinen Selbstvergewisserung kann man tiefergehende philosophische Herausforderungen vermutlich auch instrumentalisieren. Aber ergiebig sind solche One-Way-Sätze und -Pauschalierungen nicht. Sie geben keine ernsthaften Anknüpfungspunkte zu einem Gespräch (gegenseitiger Kommunikation).
Die Herausforderung des Postmodernismus (nicht unbedingt der heraufziehenden Postmoderne als Epoche) ist der Versuch Ideologien zu relativieren und den All-Anspruch (von Allem
) in Frage zu stellen. Nietzsche sagte: Gott ist tot. Der Postmodernismus sagt: Die absolute Wahrheit ist tot. Beides sind philosophische Herausforderungen, u.a. für die heutige ‘Zeit’.
Paul Feyerabend ist der Nietzsche für die Ideologien der ‘Klarheit’. Das gilt für das gesamte (mir bekannte) Kontinuum des Postmodernismus. Varianten des Postmodernismus z.B. beschrieben von Wolfgang Welsch als Unterscheidung zwischen ‘diffusem’ und ‘präzisem’ Postmodernismus. Ich halte den Gehalt beider dieser subjektiven Zuordnungen für anregend und mit Auseinandersetzungspotenzial. Mit “destruktivem Potenzial” (z.B. im Sinne von Heideggers, Löwith oder Derrida) und konstruktiven Absichten.
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* Ich persönlich sage dazu, um (mögliche) Epoche von (möglicher) Philosophie (etc.) zu unterscheiden: Postmodernismus. Das kann man aber erst mal nennen, wie man auf den Kopf gefallen ist. Die Frage ist eher: Wie definiere ich es und welche Charakteristika inkludiere und exkludiere ich aus der Perspektive, die ich z.B. “Postmodernismus” oder auch anders nenne.