Das Echte vs die Vielfalt

Der Glaube an die Existenz der „Echtheit“, den einzig wahren Kern etc. ist ein romantischer Irrglaube. Es ist aber eine Vorstellung, die in Deutschland  einen Platz unter den wiederkehrenden Kulturphänomenen hat und ist daher aus konstruktivistischer wie aus postmodernistischer Sicht durchaus vorhanden, qua sozialer Kommunikation (darüber).

Ich behaupte jetzt aber mal einfach so salopp: Aus utilitaristischer Sicht sollte man auf die Suche nach einer romantisierten Echtheit verzichten. Denn diese nimmt die Vielfalt der Möglichkeiten, die die heutige Gesellschaft (und wohl auch vielfach schon alle anderen Gesellschaften in verschiedenen Ausprägungen) bietet, und überprüft alles an einem Kriterium der „Echtheit“ oder „Authenzität“, aber auch an „Wahrheit“ in gewissen Formen und ähnlichem.

Wir haben aber in der Welt viele Phänomene und ihre Ausdrucksformen. Es gibt als mystisch empfundene Dinge, als rational gedachte Dinge, es gibt religiös interpretierte Inspiration und es gibt den Glauben an die Vernunft. Es gibt viele Dinge, die in vielen verschiedenen Menschen und den sozialen Produkten der Menschen und Gesellschaft ausgedrückt werden. Warum sich auf eine bestimmte Erzählung festlegen, im Sinne dessen, dass es nichts daneben, darüber und darunter, etc. geben solle? Ein pragmatisch an bestimmten jeweils in der Zeit vorherrschenden Kriterien der sozialen Orientierung und Zuordnung orientierter Mensch mag vernünftig sein. Hingegen normativ die subjektive Vernunft zum angeblich objektiven Monopol für alle zu machen erscheint mir eine unvernünftige, weil außerhalb der Vernunft fixierte Vorstellung zu sein. Damit erfasst und nutzt man nicht das Potenzial, welches dem Menschen und seiner Fähigkeit zu reflektieren gegeben ist bzw. zu sein scheint (und damit wiederum mindestens theoretisch gegeben sein kann). Denn das Potenzial liegt (in meiner derzeitigen subjektiven Sicht) in der ausschnittsweisen Betrachtung(smöglichkeit) von Vielfalt und in deren geistiger Verarbeitung und kommunikativem Austausch darüber. Nicht in der Monopolisierung von Projektionen vom Subjektiven auf das Ganze.

Ist das „echt“ so, kann man es so sehen und was spricht dagegen?

Vielleicht ist die Vielfalt oberflächlich und das Echte eine Illusion. Vielleicht besser eine gute Illusion als eine schlechte Vielfalt? Aber vielleicht gibt es ja auch eine echte Vielfalt in gewissem Sinne. Das könnte mir gefallen, solange es keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.



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