Tasks of humanism

There are different reasons for becoming and being religious. To me, one big factor seems to be that many human beings cannot bear this life as it is/as it appears to them (without a religious alternative).

Among other concrete things because of that, but basically because of the humanist approach to life, one basic task for humanists around the world is: To work for a world where we can bear and potentially improve this life (as universal humanity and in different structural contexts). As individuals and as the cooperation of individuals mutually respecting their individual composition (and not setting their ideologies above this basic humanistic equality). Where this life is lived together, without the perceived or self-deceived „need“ for any fixed supremacy of a group identity construction with an unequal concept/image of human beings.

 

Johnny’s always running around
Trying to find certainty
He needs all the world to confirm
That he ain’t lonely

[…]

Robert Palmer – Johnny and Mary

Vernunftbasiert offene Wissenschaftstheorie, mit dem Beispiel zweier politik-theoretischer Perspektiven

Zwei politik-theoretische Perspektiven auf die heutige westlich(-europäisch)e Gesellschaftsform (die Grundkomposition, die in verschiedenen Varianten vorkommt).

Die erste Perspektive (Blankertz) eher spooner-isch* bottom-up: vom Individuum ausgehend auf zwei verschiedene Zusammenlebensformen gesehen.
Die zweite Perspektive (Furth) eher eine Analyse der Zusammensetzung der heutigen westlichen Gesellschaften mit Bezug zu den zwei politik-theoretisch teilweise konträren (auch intern teils sehr unterschiedlichen) Theoriegebäuden von Liberalismus und Sozialismus. Mit dem empirischen Auftreten von liberalistischen und sozialistischen Motiven, die in der (nicht für theoretische Stringenz bekannten) empirischen Welt teils parallel, teils interagierend existieren können. Und dies – so Furth – auch tun, weil sie zu (empirischen [widersprüchlich-existenten], nicht theoretisch-stringenten) Bausteinen** der heutigen gesellschaftlichen Strukturform geworden sind.

Beide Perspektiven arbeiten mit ihrer jeweiligen Bezugnahme zu verschiedenen Aspekten des Themas Politische Theorie(n) und ‘des Lebens allgemein’. Sie arbeiten also verschiedene Aspekte einer Gesamtmenge von Aspekten/des ‘Gesamten’ heraus. Das ‘Gesamte’ als die Gesamtheit alles Seienden und Tuenden, des ‘Seins’ (Natur; Institutionen; Strukturen; Akteure) und ‘Tuns’ (teils Institutionen; Akteure). (In den zwei Beispiel-Texten von Blankertz und Furth fokussiert auf das politisch-gesellschaftliche Gebiet, aber – wie immer – mit empirisch-faktischen Verbindungen in alle anderen Lebensbereiche.)

Dieses Gesamte (als Gesamtmenge aller Einzeldinge und deren Wechselwirkungen) ist (aus meiner philosophischen Perspektive) nur, aber auch immerhin, in Aspekten (nicht in einer konkret fassbaren Gesamtheit) zugänglich. Es ist also eine abstrakte, als Ganzes nicht konkret bestimmbare, Gesamtheit. Wir können – (u.a.) kritisch-rational und poststruktural – epistemologisch und methodisch informiert, verschiedene Aspekte des ‘Gesamten’ beschreiben. Dieses abstrakte Gesamte ist zusammengesetzt aus

– den Phänomenen. Gemeint als: alles, was uns als einzelnen Menschen entgegentritt;
ein Kontinuum von materiellen bis ideellen Dingen (mit dem Meisten als verschieden gewichtete Mischform, als ideelle Interpretationen des Materiellen u.a.); vorgefundene Gegebenheiten und mehr oder weniger änderbare Strukturierungen
– und der Vielzahl der Handlungen (Handlungen aller Individuen), in verschiedenen Strukturen und gegenüber dem Plural der Phänomene, in und gegenüber dem wir uns sehen und positionieren.

Dieser Plural ist komplex und widersprüchlich. Aber er ist auf Basis der Vernunft abstrakt-prinzipiell und konkret-idiografisch aufschließbar*** (er ist, aus philosophischer und sozialwissenschaftlicher Sicht, kein unerforschbares Mysterium). Die jeweiligen Ergebnisse dieser Aufschließung (aus verschiedenen Perspektiven) sind rational argumentativ debattierbar und, was einen (im weiten Sinne: empirischen) Kenntnisstand angeht auch kritisch-rational (also nicht gesamtheitlich, sondern in Aspekten; niemals abschließend, sondern immer offen für Verbesserungen etc.) bewertbar. Die Forschung kann dabei nicht auf einen Bereich beschränkt sein (z.B. auf Erklärung; auf einen Aspekt A von vielen; oder auf eine Daseins-Ebene X von mehreren), sondern muss für die verschiedenen Aspekte des ‘Gesamten’ (im epistemologischen Sinn: kritisch-rational-)offen bleiben. Offen und kritisch-rational gehören hier zusammen.
Das heißt unter anderem, sich (forschungsweltbildlich, im einzelnen Forschungsfall-Fokus klarerweise schon möglich) nicht auf eine Bezugs-‘Ebene’ (Systeme, Strukturen, Einzelfälle, individuelle oder gruppische menschliche Handlungen etc.) festzulegen. Sondern sowohl die Eigendynamik dieser verschiedenen Ebenen als auch deren Wechselwirkung, in der Grundmenge der potenziell zu berücksichtigenden – weil (und in so weit) rational belegbar vorhandenen und für den jeweiligen Fall einschlägigen – Phänomene zu behalten, auf welche im Forschungsfall Bezug genommen werden kann.

Hier nun die zwei politisch-theoretischen Perspektiven auf Entwicklung & Zustand der heutigen westlich(-europäisch)en Gesellschaft:

 

179 Die Individualisierung hat in wirkLicht:keit nicht stattgefunden. Die dekomponierten moralischen Regeln und die unmittelbaren gesellschaftlichen Kontrollen (z.B. durch die Nachbarschaft in der Dorfgemeinschaft) sind durch anonyme Strukturen, bürokratische Sachzwänge und institutionelle Mechanismen ersetzt worden, die sich wie ein Netzwerk über unser Leben legen und es gefangen halten. Daraus ergibt sich eine andere Perspektive für einen Ausweg: Er besteht nicht darin, zu einer Idylle traditioneller Geborgenheit – (die niemals wirkLicht:keit gewesen ist) – zurückzukehren, sondern die Befreiung des Individuums zu vollenden.

Aus: Stefan Blankertz – Die Katastrophe der Befreiung

 

Der Begriff »Massendemokratie« kennzeichnet die politische Gegenwart der westlichen Welt wie kein zweiter. Der Berliner Sozialphilosoph Peter Furth läßt keinen Zweifel daran, daß die Massendemokratie etwas grundsätzlich Neues ist, auch wenn »Masse« und »Demokratie« sehr vertraut klingen. In der Tat geht es um die alten Gegensätze der Politik und der politischen Theorie, um Masse und Individuum, Freiheit und Gleichheit, Bourgeois und Citoyen, Liberalismus und Sozialismus. Die überraschende Leistung der Massendemokratie besteht jedoch darin, diese Gegensatzpaare erstmals miteinander korreliert zu haben – mit teils überraschenden und paradoxen Folgen. […]

Beschreibung zum Buch: Peter Furth – Massendemokratie. Über den historischen Kompromiss zwischen Liberalismus und Sozialismus als Herrschaftsform.

 

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* individual-anarchistische Perspektive von Lysander Spooner
** Hier u.a. die Frage, ob es die einzigen oder die Hauptbausteine der heutigen westlichen Gesellschaften sind, oder ob es weitere, schwächere, gleich starke oder stärkere (rekonstruktiv als solche bezeichnete) ‘Bausteine’ gibt.
*** Was u.a. – vermutlich: in Aspekten, nicht allumfassend – als Erklären und Verstehen unterschieden werden kann.

Zur Vernunftmoral

Ein mensch kann sich aus vernunftethischer Sicht (u.a. auf die Vernunftmoral) nicht selbst als “guten Menschen” bezeichnen. Das können andere Menschen mit einschlägigen (zur Bewertungssituation passenden und tatsächlich zutreffenden) Sachverhalten als Argumenten über eine Person sagen.
Wenn jemand ernsthaft versucht, sich an der Vernunft zu orientieren und darauf basiert zu handeln, kann er von sich genau das sagen: Sie sei ein Mensch, die ernsthaft versucht, vernünftig (und damit aus vernunftethischer Sicht gut) zu handeln. Das ist als Handlungsbasis das maximale was ein Mensch tun kann. Es ernsthaft und reflektiert zu versuchen, in leichten wie in schwierigen Situationen. Der Fehlerhaftigkeit allen empirischen menschlichen Handelns bewusst, aber mit Orientierung am Maßstab der Vernunft als der logischen Basis menschlichen reflexiven (die Empirie prüfenden etc.) Denkens und (sonstigen) Handelns.

Gesellschaft und Individuen und ihr Bezug zum Recht (als eigenständige Möglichkeit)

Recht im vernunftrechtlichen und eigenständigen Sinn (gegenüber u.a. Macht, Kultur, Statuskämpfen): Als kontrafaktische (nichtempirizistische) Idee, die praktische Wirkung entfalten kann. Wenn sie von Individuen (als Individuen und als Gesellschaft, nicht als partikularistische Gruppen) in die, empirisch mehrschichtige, Praxis umgesetzt wird. Menschlich-fehlerhaft in der Umsetzung, aber ehrlich-ernsthaft an den Vernunftgrundsätzen orientiert.
Die Umsetzung der logisch-transzendentalen, nichtempirischen Grundbedingung der rationalen Argumentation: die Vernunft, in die wirkungsentfaltende Praktizierung. Hier im Bereich des Rechts: (Vernunft-)Recht als vernunftbegründete (nichtpartikularistische und individuell gleichberechtigende) Theorie und deren Umsetzung.

Als Individuum bin ich für meine aktiven Taten und meine passiven Unterlassungen verantwortlich.
Eine Gesellschaft (als abstraktes Wort für das damit benannte mehrschichtige Phänomen) ermöglicht (getragen von den Individuen; nach verschiedenen Logiken etc.) den Staat und das allgemeine Recht.

Damit ist eine Gesellschaft als Ganzes verantwortlich für die Aufrechterhaltung dieses Rechts, denn dieses Recht ist ebenso allgemein wie die Gesellschaft selbst: Beide beinhalten alle ihre Mitglieder. Verstöße gegen das Recht (grundsätzlich: das Recht von gleichberechtigten Individuen) zu verhindern ist damit grundlegend (nicht in der praktischen Ausführung, die notwendigerweise von konkreten Individuen umzusetzen ist) nicht die Aufgabe von einzelnen partikularen Gruppen, sondern Aufgabe der ‘Gesellschaft als abstrakter Begriff für alle in ihr zusammen die Grundlage und die Adressaten des Rechts bildenden Individuen’.

Ein Individuum hat dann politisch-praktisch eine abgestufte Verantwortung je nach ihrem gesellschaftlichem Machtradius. Aber grundsätzlich haben alle Individuen eine ethische und rechtspraktische Mitverantwortung für die Ausrichtung der Gesellschaft, in der sie leben und von der jedes Individuum ethisch und vernunftrechtlich (und ggf. positiv-rechtlich) ein Teil ist.

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* ‘Recht’ als von Macht und anderen empirischen Phänomenen der praktizierten Willkür relativ unabhängige eigenständige, kontrafaktische, Theorie und Phänomen/Möglichkeit.

Utilitarismus kann keine Grundlage sein

Utilitarismus kann keine ethische Grundlage sein. “Nutzen” objektivieren zu wollen, heißt Menschen zu Objekten zu machen, zu “verzwecken” wie Kant formuliert.

Der Nutzen für einen Menschen und Kooperationen von Menschen (u.a.) kann nicht festgelegt werden, er ist als solches subjektiv. Die Entfaltungsmöglichkeiten der Individuen gleichberechtigt zu ermöglichen ist eine Folge(rung) der Vernunft. Zu dieser Entfaltung gehört auch der jeweils subjektive Nutzen von Menschen, ihre Interessen etc. So lange dieser Nutzen nicht mit den gleichen Rechten der Anderen kollidiert. In der Konfliktfrage zwischen mehreren “Nutzen” — oder über den Teilbereich des Nutzens hinausgehend allgemein: zwischen individuellen Rechtssphären (der Gesamtheit des gleichen Rechts von zwei oder mehr Individuen) — führt der Begriff des Nutzens/der Utilitarismus Richtung Vernunftanwendung nicht weiter. Er kann hier keinen meta-subjektiven, keinen nicht ungleichberechtigenden Bewertungsmaßstab geben. Er ist im subjektiven und im empirischen Einzelfall verortet, für solche Situationen kann er eventuell (auf Grundlage der Vernunft) eine Analyse-Hilfe zum Verständnis eines Teilaspekts der Empirie sein. Aber kein gleichberechtigender, also vernünftiger, Bewertungsmaßstab.

Katholizismus und Protestantismen

Eine anhand bestimmter Aspekte (also nicht ganzheitlich) erfolgte Differenzierung zwischen Katholizismus und Protestantismen:

Katholizismus und Protestantismen grobdifferenzierung

Offenheit mit Vernunftbasis

Ein soziales (politisch, ökonomisch, kulturell etc.) Thema ist meist vielfach verknüpft mit verschiedenen Faktoren – die in seiner Entstehung (Genealogie) vorausgingen, oder mit ihm aktuell wechselwirken etc.

Eine Argumentation, verbal oder im – differenzierter sein könnenden – Text bezieht nie alle Aspekte mit ein, denn das ist nicht menschenmöglich. Zumindest nicht dem jeweiligen einzelnen Menschen möglich, sondern nur als theoretischer Idealfall (der anstrebbar und nicht gänzlich erreichbar ist): den vielen Stimmen aller Menschen. Diese sind dann viele gleichzeitige subjektive Schilderungen. Sie können nicht anhand eines Leit-Inhalts “objektiv” bewertet werden, denn auch der sich aufschwingende Leit-Inhalt wäre ein subjektiver. Es besteht also keine Deutungs- bzw. Zusammenfassungs-Hoheit anhand bestimmter festgelegter Inhalte (Ideologien etc.) [<- So weit hat u.a. der Postmodernismus recht.][Und hier Vernunftphilosophie:] Vernunft ist eine pragmatisch-transzendentale Voraussetzung der Vergleichbarkeit, also jedes Maßstabs für eine Kommunikation zwischen Menschen (zwischen mehr als einem Menschen, und genauso auch des abstrakten Denkens innerhalb eines Menschen). Wenn man diese Vernunft annimmt, kann sie nicht partikular auf bestimmte Menschen (und andere nicht) verteilt sein, sondern muss eine universell-menschliche Eigenschaft sein (als solche angenommen werden). Mit dieser Vernunft kann ein Mensch dann – (bei reiner Vernunft: ohne inhaltliche Vorfestlegung; in der Praxis: möglichst distanziert von den eigenen Vorurteilen/subjektiven Prägungen etc.) – andere Kommunikationsäußerungen relativ offen aufnehmen und analysieren. Und hiernach auch (in einem weiteren Sinne von kritisch-rational: nachvollziehbar; kritisierbar; nicht abschließend, also weiter für Verbesserung offen) bewerten.

Vernunft-praktisch ist es also nicht möglich, aber auch nicht fatalistisch nötig, dass ein Text immer alles mit einbezieht – solange ein anderer die gleichberechtigte Möglichkeit zu sowohl Ergänzung als auch Kritik hat. Dazu gehört es, dass keiner (Regierung, ideologische Gruppen etc.) eine Diskussion abschließend festlegen kann. Jede Stimme trägt (strukturell: immer; und inhaltlich: je nach Ernsthaftigkeit [also: Offenheit für Austausch, gegenseitige Argumentation und Kritik]) zum Erhalt einer offenen (kritisch-rational: fehler- und erkenntnis-fähigen) Diskussion/Gesellschaft und zur konkreten Bearbeitung von Themen bei. Jede Unterdrückung einer “falschen Meinung” verletzt die offene Gesellschaft und dadurch die Basis des Rechts: das grundsätzlich gleiche Recht aller.

Der Sinn von differenzierter Auseinandersetzung ist nicht das Fixieren, sondern das Offen-halten der Gedanken (u.a. als Kritischer Rationalismus). Dafür braucht es eine strukturell feste (nicht inhaltlich festgelegte) Basis. Diese ist aus meiner kantianischen Einschätzung der ‘archimedische Punkt’ der Vernunft. Darauf basiert u.a. die Anerkennung der gleichen Rechte aller Individuen. Und wiederum daraus folgt auch u.a. das Recht, in der Äußerung der Meinung (als Meinung) nicht unterdrückt zu werden. Aus ethischer Sicht: Nicht sozial daran gehindert zu werden. (Was aber mit sozialer Kontrolle etc. mehrere Aspekte hat). Aus rechtlicher Sicht: Nicht durch Gesetz und Staatsgewalt daran gehindert zu werden.

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