Ausgleich und Soziale Stabilität

Ein theoretischer Blickpunkt auf Gegebenheiten und Positionierungen für und zu Sozialer Stabilität

Politik ist oft auch eine Frage der Perspektive: Sehe ich ein Problem (mehr) an dem einen oder dem anderen Punkt; gehe davon aus, dass bestimmte Probleme politisch gelöst werden können oder nur in (bzw. mit) anderen Bereichen menschlicher Kultur, oder gar nicht endgültig bzw. ein anhaltender Prozess; ist kulturelle Evolution möglich, oder vor allem technische Verbesserung? Fragen von Sichtweisen und Standpunkten sind auch oft (weltliche) Glaubensfragen, theoretische Verortungen des Geistes in einer komplexen Welt.

Ein sozialphilosophisch-politischer Ansatz ist die Betonung bzw. die Setzung des Sozialen Friedens als zu erreichenden Ziels mit dem Mittel des Ausgleichs. Dies stellt gewisse Anforderungen an ein Gemeinwesen. Im deutschen Fall – in dem (aus verschiedenen kulturellen und politischen Gründen) inzwischen das umgekehrte Subisdiaritätsprinzip vorherrscht – ist die erste Adresse für soziale Anforderungen der Staat als solcher. Daher ist die Politik, auch wenn manche Teile der Politik eventuell andere Modelle bevorzugen würden, gezwungen (Wiederwahl streben die meisten Politiker immer wieder an) realpolitisch auf die vorherrschenden kulturellen Bedingungen einzugehen, in dem Fall auf  die Anforderungen an die soziale Rolle des Gesamtstaates. Wenn eine solche Kultur vorherrscht – also die Orientierung an einer bestimmten Institution als primärer (oder gar einziger) Träger des Sozialen, im deutschen Fall der Gesamtstaat, spielt die Politik für viele Menschen diesbezüglich keine konkret ideologische Rolle, sondern eine des Mittels zum Zweck. Wenn dieser Zweck in größerem Maße nicht erfüllt wird, gibt es Unzufriedenheit, die sich in einer Parteiendemokratie in Wahlen niederschlägt. Je nach dem, wie groß die Priorität eines Themas ist, kann dies so weit gehen, dass – obwohl die Menschen in der Regel auf Kontinuität, Verlässlichkeit und Stabilität größeren Wert legen – ein herrschendes System in Frage gestellt wird. Das Soziale spielt im menschlichen Leben eine grundsätzliche Rolle. Der Mensch ist ein Sozialwesen, er tauscht sich aus, kommuniziert, bildet Gruppen, zieht Grenzen, er interagiert sozial. Der fürsorgliche bzw. sich kümmernde Teil des Sozialen (also Gemeinschaftlichen oder Gesellschaftlichen) wird in der deutschen Kultur (vielleicht schon seit Bismarck) primär beim Staat verortet. Das ist inzwischen so „verinnerlicht“ worden, dass Sozialstaat im Sprachgebrauch als Grundlage des Sozialen assoziiert wird und nicht andere, in anderen Ländern oder zu anderen Zeiten übliche soziale Versorgungsformen und -Institutionen (Familie, Kirche, Gemeinschaft, bürgerschaftliche Caritas, etc.). Hierbei tritt dann auch ein Unterschied der Definition von sozialer Fürsorge auf, der auch die Anforderungen an den als Träger dieses Sozialen verstandenen Sozialstaates prägt: Soziale Fürsorge wird nicht (wiederum wie in anderen Zeiten oder anderen Ländern/einer in dieser Hinsicht anderen Kultur) als letzte, bzw. Ausnahme-Hilfe für Notfälle gesehen, sondern als Gesamtaufgabe für die Übernahme von verschiedenen Problemen menschlicher Existenz – verursacht durch die Knappheit der Güter und die Ungleichheit von Menschen und ihrem wirtschaftlichen und sozialen Status und Erfolg.
Wenn die Anforderung an die soziale (gemeinschaftliche) Fürsorge so breit angelegt sind [öffentliche Daseinsfürsorge nicht nur als Nothilfe, sondern als grundsätzliches Alltagsangebot bzw. – Teil des regulären Lebens] und dieses Soziale dann kulturell überwiegend beim Gesamtstaat verortet, also angefordert wird, kommt dem Sozialstaat eine sehr große Verantwortung und eine sehr anspruchsvolle Aufgabe zu.

Unabhängig davon ob zurecht oder zu unrecht, ob es auf Dauer eine Überforderung bzw. eine falsche Zuordnung oder eine evolutionär herausgebildete (und sich bewähren könnende) neue Stufe menschlicher Kultur ist: Viele Menschen erwarten von der Politik, dass sie das Mittel zum Sozialstaat (psychologischer Zweck als ‚Dasein‘, welches beruhigt und Mittel zur praktischen Daseinsfürsorge) ist. Diese Aufgabe, einen Sozialstaat zu finanzieren kommt der Wirtschaft zu, bzw. wird ihr politisch, je nach Priorität durch verschiedene Abgaben zugeteilt. Die Aufgabe, die sozialen Maßnahmen zu organisieren und zu verteilen kommt in einer Kultur des (primär) staatlichen Sozialgedankens der Politik zu.

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