Gesellschaftsvertrag heute

Könnte eine der (in der Grobeinteilung) drei Schichten (Ober-, Mittel-, Unter-) der Gesellschaft ein Interesse an der Abschaffung der repräsentativen, medial kommunizierten und mitkonstruierten, (unter derzeitigen Bedingungen anscheinend) massenkompatiblen, und in irgend einer Form funktionalen Demokratie haben?

Die Demokratie von heute – mit ihren menschengegebenen Eigenschaften und mit ihren modernen Ausprägungsformen ist nicht perfekt (sie ist auch nur ein Mensch, bzw. aus Menschen bestehend) und sie wird subjektiv aus unterschiedlicher Perspektive betrachtet. Robert A. Dahl nennt sie Polyarchie, andere Demokratur etc., je nach dem wie man sie beleuchtet und welche Schwerpunkte man setzt. Sie ist aber, in welchem Aspekt wir sie auch betrachten und bewerten, bis zu einem gewissen Punkt intersubjektiv erfahrbar und dadurch bzw. (mindestens) so weit auch vorhanden.

Viele würden (aus moralischer Überlegung oder nur aus Missgunst) spontan die sogenannte Oberschicht verdächtigen, eine plutokratische Diktatur einführen zu wollen. Aber warum sollte die Oberschicht – oder die Unterschicht (in mancherlei funktioneller Hinsicht das Pendant zur Oberen Etage) – die Demokratie abschaffen wollen?

Es hat sich doch – aus einer bestimmten Perspektive betrachtet – so etabliert, bzw. (wie man in heutigem Zeitalter noch sagen kann:) eingebürgert:

In modernen Massendemokratien sorgen Ober- und Unterschicht für die Unterhaltung (Boulevard, schräge Ideen, bunte Persönlichkeiten etc.) und die Mittelschicht dafür, dass das wirtschaftliche Aus- und Ein-kommen erarbeitet wird. Darüber gibt es ein informelles Übereinkommen zwischen den Schichten als Ganzes (nicht zwischen allen Gruppen, Interessen und Ideologien innerhalb dieser Schichten): Es soll so bleiben wie es ist. Eine Art Gesellschaftsvertrag der Konstanz.

Gesellschaften als Ganzes haben einen Hang zur Stabilität. Dafür greifen sie u.a. zu den Mitteln des Ausgleichs, des (teilweise widersprüchlichen, aber erstaunlich oft funktionierenden) Kompromisses und anderen. Diese Mittel und Wege, die die Gesellschaft unbewusst „anwendet“, sind – mit Hayek’schen Worten – Ergebnis menschlichen Handelns, aber nicht bewusst geplante bzw. nach einem bestimmten Plan durchgeführte Maßnahmen.

Damit kommt die Gesellschaft immer wieder auf die Mitte zurück, ohne dies bewusst zu wollen.

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