Das Pendel des Sozio

Letztlich muss Deutschland (wie jede Gesellschaft, wie vielleicht alles auf der Welt) zur Mitte zurückkehren. Und eventuell (so würde es zu meiner These der Mitte passen [das wäre natürlich fein]) leben wir in einem „konstant-virulenten Gleichgewicht“: Bestehend aus einer Dynamik durch Ungleichgewicht (nicht nur in der Ökonomie) und einer Achse der Konstanz/Gegebenheit, um die es pendelt.

Derzeit erleben wir (einmal wieder) einen Pendelausschlag zur exzentrischen Emotionspolitik. Das liegt einerseits an der grünen Welle mit ihrer Sinnstiftung durch die Öko(ersatz)religion. Diese kann aber nur die Mitte verunsichern, weil externe Emotionsmomente dazugekommen sind. Aufgrund der zurecht etwas Sorgen machenden Atomfrage warten auch viele Bürgerliche Mitte-Gelassene auf eine neue Energiepolitik. Das ist aber keine Entschuldigung für parteipolitisch und ideologisch motivierte Schürung von Hysterie (durch exzentrische Parteien/autoritäre Ideologien/Utopien etc.), sondern (aus Sicht der Konstanz/Gegebenheit der Mitte) ein um so stärkerer Auftrag für die politische und gesellschaftliche „Mitte“ (nicht konkret definierbar, aber immer da), einen ausgewogenen Weg zu finden bzw. praktisch zu beschreiten, der die Gesellschaft wieder in die Mitte zurückbringt. Dort wo sie der gegebenen Logik der menschlichen Sozialwesenschaft hingehört. Diese Rückkehr zur Mitte wird auch logischerweise – und durch geschichtliche Erfahrung zu vermuten – (wieder) kommen. Die Mitte bleibt die Mitte. Aber der Zeitpunkt und die Auswirkungen des derzeitigen exzentrischen Pendelschlages sind noch offen. Um so philosophisch und politikpraktisch fundierter die (derzeit zum Pendelausschlag passend angeschlagenen) politischen Kräfte der Mitte – zusammen mit den Kräften der Mitte in Kultur und Wirtschaft – diese Rückkehr bei den Menschen bewirbt und orientierend dafür steht, um so schneller wird der Pendelschlag auch wieder abklingen. Und um so weniger extreme Blüten wird die (in den Farben der heutigen Welle: grüne) exzentrische Emotionswelle hervorbringen.

Meine Einschätzung (aus der Perspektive einer subjektiven Präferenz für einen Schwerpunkt der Gesellschaft in einer/der ausgewogenenen „Mitte“):
Eine Rückkehr zur Mitte, die nicht ideologisch/politisch exzentrisch, weniger hektisch, etwas gelassener, und dadurch in wirklichen Ernstfällen vermutlich handlungs- und unterscheidungsfähiger ist, wäre gut für die Gesellschaft und das Funktionieren ihrer Teilsysteme (Kultur, Wirtschaft, Politik).

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3 thoughts on “Das Pendel des Sozio

  1. secuni 4. April 2011 um 18:51 Reply

    ich glaube an die gaußsche normalverteilung als ideal für das ausgewogene verhältnis stabilisierender elemente und destabilisierender elemente. also für bewahren und chancen.
    die hektik der politik würde ich mit einer zunehmenden beschleunigung von wirklichkeit erklären, auf die unsere institutionen nicht eingestellt sind..

  2. kosinsky 5. April 2011 um 13:32 Reply

    Mathematische Modelle wären wohl ein interessanter, auch mit Logik und Erfahrung/Geschichte/Tradition zugänglicher geisteswissenschaftlicher Ansatz.

    Eine Frage: In der privaten, sozialen Kleingruppen-Sphäre ist Entschleunigung möglich. Aber was „bewegt“ (beschleunigt und beruhigt) das politische Teilsystem unserer Gesellschaft (dabei der Fokus auf der Großpolitik [im Gegensatz zur vermutlich weiterhin trägheitsfähigen Lokalpolitik etc.]?
    Die soziale Bühne der Großpolitik ist in die im Verlauf der letzten 10 Jahre deutlich „schneller“ gewordene Mediendemokratie/mediale Image-Erzeugungs-Formen eingebettet.
    Die Teilsysteme Wirtschaft (ironischweise?) und Kultur könnten hier vielleicht zur Entschleunigung beitragen – nicht ideologisch motiviert, sondern pragmatisch und aus sich heraus, also „ohne Plan“.
    Eine „katallaktische Beruhigung“ als natürliches Ausgleichsphänomen gegenüber der Hektik der heutigen technisch ermöglichten Beschleunigung.

  3. secuni 5. April 2011 um 14:11 Reply

    ich denke, dass wir im moment feststellen, in den letzten jahrzehnten einer illusion aufgesessen zu haben. die demokratie, wie wir sie gelebt und gedacht haben, funktioniert nur in einer wohlstandsgesellschaft mit billiger energie und billigen nahrungsmitteln und nicht aus einem selbstverständnis heraus.
    jetzt, wo diese voraussetzungen wegbrechen, nehmen die interessenkonflikte zwangsläufig zu und in jedem größeren zusammenhang (familie, arbeit, stadt, land, staat, eu, un) wird es schwieriger, wenn nicht gar unmöglich erfolgreich zwischen ihnen zu vermitteln.
    so gesehen kann ich mit einer möglichst „engen“ trennung zwischen dem „wir“ und den „anderen“, die knflikte sozusagen „fraußen halten“. im idealfall, indem man sich autonome rückzugsräume schafft, oder sein soziales umfeld im sinne deiner kleingruppen-sphäre sorgfältig selektiert.
    im großen und ganzen ist diese beschleunigung aber notwendig, denn meines erachtens war die konservierte nachkriegsordnung zwar ruhig und bequem, aber in dem sinne unnatürlich, dass sie mehr von einer friedhofsruhe hatte, denn von einem wirklichen frieden.
    Die politischen prozesse müssen hinsichtlich ihrer effizienz transformiert werden, damit wir für die „förderlichen“ wettbewerbe besser vorbereitet sind, die im zuge der neuen „gerechtigkeit“ auf uns warten werden und die vor allem keine rücksicht nehmen.
    das rad der welt können wir nicht aufhalten. wir können aber unser seelenleben und unsere sozialen kontexte mit neuen ansätzen schützen. ich versuche das zumindest.

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