Idealtypisches Differenzieren verzichtet auch auf Relativismus

Man kann es so sehen: In der theoretischen Beschäftigung (nicht auf der lebenspraktischen Handlungsebene) mit prinzipiell allem kann man und sollte man (in einem möglichst weitgehenden, so weit subjektiv menschenmöglichen Maß) die soziale Einbettung und den jeweiligen Kontext der Dinge differenzieren. Deshalb kann und sollte man die aus dieser Subjektivität der Welt(en) resultierende Unterschiedlichkeit der Perspektiven beachten und bei der Bewertung berücksichtigen.

Wenn man es mit dieser Differenzierung und Perspektivierung, also einem (bzw. dem?) mindestens methodologischen Subjektivismus (in der Regel verbunden mit einem normativen Subjektivismus) ernst meint, kann (?) und sollte man nichts mehr absolut setzen (zumindest idealtypischerweise, so gut es die menschliche Abstraktion und Distanzierung von der eigenen subjektiven Perspektive/der sozialen Einbettung etc. zulässt). Das heißt dann auch: Perspektivieren und Differenzieren heißt nicht alles zu relativieren.

These: Auch der (radikale) Relativismus ist eine Absolutsetzung. Relativismus ist Absolutheitismus, wenn er sich selbst (als/für) absolut setzt. Denn auch durch ihn sieht man die Dinge gerade nicht relativ (also an Verhältnissen orientiert/interessiert), differenziert oder perspektivisch, in einem jeweiligen sozialen Kontext steckend. Man relativiert dann nicht nur die „Sakralität“ bestimmter (meist weltlich-sozialer) „Heiligkeits“-Überhöhungen oder -Konstruktionen (ob diese sozial eher hemmend oder sinnvoll sind ist eine andere Frage). Man ebnet durch den Relativismus auch gedanklich die Unterschiedlichkeit der sozialen Welten ein und ignoriert die subjektive Perspektivbindung der Menschen, die in ihren Zusammenhangswahrnehmungen in ihre sozialen Kontexte eingebettet sind. Der Relativismus ist (nach der hier verwendeten Definition), als spiegelbildliches Gegenstück zur positiven Absolutsetzung, eine negative Verabsolutierung.

Wenn man als „Differenzierer“ oder „Perspektivierer“ etc. Absolutsetzungen (aller Varianten) vermeiden will, so gut es geht, so ist auch der Relativismus keine Option.

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