Kirche in der Postmoderne

Sinnstiftung in einer sich wandelnden sozialen Grundstruktur

Jeder Staat hat seinen Gott. Die (zumindest theoretisch) als Ganzes pluralistischen Gesellschaften der (noch) ‚Moderne‘ (die derzeit auf dem Übergang zu einer Post-Moderne zu sein scheint) haben – ihrer Gesellschaftsstruktur entsprechend – viele Religionen. Aber auch im Pluralismus gibt es Mainstream, Dominanz und Hegemonie. In Umbruchphasen der Gesellschaft sind die vom (Veränderungs-)Zeitgeist gespeisten (ersatz-)religiösen Phänomene/Varianten oftmals die Hauptreligionen. Oder sie wirken als prägende Veränderungen auf bisherige etablierte Religionen.

Die alte, bisher (noch) etablierte Religion Europas ist das (wegen seiner zeitlichen Beständigkeit so nennbare) ‚klassische‘ Christentum mit seinen großen Konfessionen. Zum Zeitgeist gehört es in dieser Form aber nicht. Dementsprechend wäre es sozialpolitisch nicht grundlos, würde man die Förderung der christlichen Kirchen reduzieren oder sogar einstellen.

Aber: Was käme danach? Wen soll man öffentlich-rechtlich fördern, als sozusagen staatlich anerkannte Sozialträger-Institution? Die Sinnstiftung durch anthropozentrischen Klimaschutz wird bereits stark gefördert, aber vor allem auf dem wirtschaftlichen Gebiet (Subventionen, Privilegien, etc.) und der kulturellen Ritual-Pflege. Andere Säkularreligionen sind auch hochaktuell (entsprechen der Struktur der Zeit) und werden deshalb politisch gefördert und genutzt. Aber: Die neuen Sinnstiftungs-Ansätze konnten bisher die alten (vielleicht in der Post-Moderne früher oder später überflüssigen) Kirchen auf dem Gebiet der Sozialorientierung und der etablierten, längerfristig stabilen Beständigkeit noch nicht ersetzen. Diese Beständigkeit ist u.a. Grundlage für die Traditionalisierbarkeit von sozialen Ritualen und Symbolen. Allerdings gibt es die heute wachstumsstärksten Ersatzreligionen noch nicht so lange (nur einige wenige Jahrzehnte). Deshalb kann man noch nicht sagen: Werden diese von den bisherigen Religionen vollständig absorbiert  (wie es vor allem die evangelischen Kirchen, aber auch teilweise die katholische Kirche versucht)? Oder etablieren sich eine oder mehrere der bisherigen Ersatzreligionen der Umbruchzeit auch in der darauf wieder folgenden stabilen Zeit der Gesellschaft?

Die Gesellschaft strukturiert sich (aufgrund der sich sozialsituationär bedingt ändernden Grundstruktur) in ihren sub- bzw. teilstrukturellen Erscheinungsformen (den „Systemen“ und Teilbereichen) um. Die Kirche(n) werden sich (ebenfalls sozialsituationär bedingt) auch umpositionieren. Ob und welche Kirchen – in den sich nach der Veränderungszeit neu etablierenden (Sub- bzw. Teil-)Strukturen – Institutionen tragender Art bzw. primärer Ordnung sein werden, ist nach meinem perspektivischen Einschätzungs-(Anzeichen-Interpretations-)Stand noch offen.

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