Gesucht: Praktische Philosophie für die neue Zeit

Das Internet ist die Ursache (als technische Basis, nicht als der tiefenstrukturelle Grund) und gleichzeitig der Spiegel der Weltgesellschaft (bestehend aus denen, die in dieses wörtliche und strukturelle Netz integriert sind). Trotz der (mehr oder weniger echten) Multikulturalität des Netzes gibt es weiterhin Hass und Ideologien. Nicht nur Abgrenzung, also die soziale Ausdifferenzierung in verschiedene Gruppen, Milieus, soziale Interessen und Lebensstile, etc. Also Vielfalt in der (eher lockeren) Einheit des Gesellschaftlichen.

Sondern auch das altbekannte Dominanzstreben. Der Versuch, aus der Vielfalt wieder eine (eher feste) ideologisch gebundene Einheit zu formen – nach „persönlich“-ideologischem Abbild. Nur dieses Mal in komplexeren Kontexten als früher: Vom überschaubaren, durch Gewalt und Hierarchie zusammengeführten „Wir“ gegen „Die“ zu einem komplizierten, oftmals widersprüchlichen „Wir“ (mühevoll zu konstruieren) gegen ein unüberschaubares und mit dem „Wir“ verknüpften „Die“. Die Klarheit des Freund-Feind-Denkens ist unklar geworden. Das kann eigentlich ein befreiendes Moment für den Menschen (in seiner Eigenschaft als Kulturwesen) sein: Nicht mehr Freund und Feind, sondern Vielfalt und Möglichkeit des inter-subjektiven und inter-gemeinschaftlichen Kennenlernens. Aber diese Unklarheit ist auch eine große Herausforderung für die soziale Weltkonstruktion des einzelnen Menschen und der Gruppen.

Theoretisch gedacht und in der Theorie diskutiert können viele Menschen eine multi-perspektische Gesellschaft für eine gute Idee halten. Praktisch (menschengegeben oder „nur“  strukturbedingt? [dabei veränderlich oder nicht?]) arbeiten aber die meisten Menschen weiterhin im bisherigen „Programm“: Die eigene Perspektive als geschlossenen (und eben nicht inspirationsoffenen) Anspruch auf die Gesellschaft zu projizieren. Die Einfachheit ist im Zweifel (und die heutigen, so verbegrifflichten ››modernen‹‹ Gesellschaften [auf dem Weg zu einer eventuell noch unklareren ››Postmoderne‹‹] bestehen aus ständigem Zweifel bzw. Zweifeln) vielen (oder dem?) Menschen näher als die Differenzierung. Ist dieser Hang zur Einfachheit bzw. Klarheit eine veränderbare oder eine fest gegebene Eigenschaft des Menschen? Kann eine andere Zeit dieses Denken in Dualismen, in Freund und Feind, in Entweder-Oder, etc. überwinden oder muss jede Zeit auf ihre Weise damit leben, also umgehen lernen? Das ist eine der Fragen, die und der sich auch eine Philosophie für die (eventuell derzeit entstehende) neue Zeit der Postmoderne meinem Wunsch nach stellen müsste.

Der Neoliberalismus ist eine vor allem praktische Philosophie (mit theoretischer Begründung, aber ohne theoretische Vorschriften und Orientierung, wie genau man denn nun leben soll -> „Ohne spezifische Bevormundung“, „ohne Tamtam“, „ohne Brimborium“, „ohne Gehalt“, „ohne Seele“, etc. -> Je nach dem aus welcher Perspektive man es betrachtet).

Wer (bzw. aus was heraus) entwirft eine praktische Philosophie (mit theoretischer Fundierung für den teilweise anspruchsvollen Intellekt des Menschen) für das 21. Jahrhundert bzw. die derzeit virulente (im Entstehen begriffene) postmoderne Gesellschaft?

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