Katholische Kirche und Sozialsituation

Ist die katholische Praxis heute noch gemeinschaftlich möglich? Innerhalb und zwischen den (perspektivisch) pluralen Gesellschaften? Kann ‚Katholik‘ [gemeint als gesamtheitlicher Begriff für die weltweite, trans- und internationale Institution und Lebensart der Religion des Katholizismus] in einer komplexen Welt [eine Welt der Welt(en) der verschiedenen Gesellschaften mit unterschiedlicher ‚Sozialsituation‘] auf einen ausreichend verbindenden gemeinsamen Nenner gebracht werden?

Wenn ja, bzw. vielleicht: Ist dies ein Nenner, bei dem eher die Praxis [die Lebensführung und der Glaube] geteilt wird, als deren theoretische Grundlage [die abstrakte Ausformulierung dessen, was ‚katholisch‘ sei/ist], da die Perspektiven (immer) vielfältig sind?

Meine derzeitige Einschätzung, ausgehend vom „Weltjugendtag 2011“ in Madrid:

Nach meiner Zeitenthese kann man tiefergehende bis grundlegende, strukturelle soziale Veränderung folgendermaßen (grob) modellieren und skizzieren:
In einer „Veränderungszeit“ ändert deren Metastruktur [die man z.B. als „Zeitgeist“ o.a. verbegrifflichen kann] die bisherige Grundstruktur. (Die Grundstruktur ist das – jeweils bis zu einer Veränderungszeit – stabile „System“, bzw. die etablierten sozialen ‚Verhältnisse‘ und „Selbstverständlichkeiten“.) Im Zuge der Implementierung und Etablierung des (mehr oder weniger substantiell) Neuen entsteht dann die neue Grundstruktur – die „neue Zeit“. Als Folge der (neuen) Grundstruktur formen sich auch – als Ausdruck dessen – (neue,) dazu „passende“/dem entsprechende (Sub)strukturen aus.
Auch die transnationale Institution ‚Katholische Kirche‘ ist Teil der Grundstruktur. Daher wird sie sich auch als Ganzes (bzw. in ihrer institutionalisierten und abstrakten Ausformung) in Schritten an die neuen Strukturen anpassen. So wie es einzelne Glieder und Untergruppen schon mehr oder weniger lange versuchen und tun, bzw. die Veränderungen nachvollziehen.

Die Kunst für große, bisher (noch) etablierte Institutionen in ‚Veränderungszeiten‘ könnte sein: Die ‘Umpositionierung in der Form’, ohne dabei die Grundanliegen der bisherigen Positionierung in der (und zur) Welt zu verlassen. Auch die Verbindung der subjektiven (gesellschaftlichen wie individuell-gruppenbezogenen) Welten war immer eine Aufgabe einer Weltkirche: Denn (auch) die katholische Kirche entspricht den Grundstrukturen (und damit der Sozialsituation) der jeweiligen Gesellschaften, in denen sie vorhanden ist und wirken möchte. Aus dieser Betrachtung(sweise) kann man wohl z.B. für die Katholische Kirche in Südamerika ein anderes Profil als für die „selbige“ (oder eben nicht selbige, aber gleichlautende) in Asien interpretieren. Aber auch die Fragen, die sich Menschen und Institutionen stellen, sind diesbezüglich unterschiedlich, da die Form der Suche der Menschen entsprechend ihrer Gesellschaften und Perspektiven teils unterschiedlich ist. wiederum anders als im durch Säkularität intellektuell und spirituell (im Positiven wie im Anstrengenden) geforderten Westeuropa.

Gibt es aber einen gemeinsamen Nenner, der katholisches Lebensführung in den unterschiedlichen Sozialsituationen der heterogenen „Weltgesellschaft“ verbindet?

Gemeinsam könnte allen Mitgliedern des großen Hauses Katholische Kirche die Suche an sich sein. Und gewisse Ausdrucksformen und Lebensorientierungen des Glaubens, die über gesellschaftliche Situationsunterschiede hinaus (und damit weltenverbindend) gelebt werden könnten. So könnte man eventuell das Zusammenkommen der verschiedenen individuellen und sozialen Perspektiven aus der ganzen Welt auf dem Weltjugendtag interpretieren. Und hier nicht nur das Treffen und die direkte Kommunikation (was auch konstruktiv ist), sondern auch das konkrete gemeinsame Gebet. Das könnte auf praktischer Ebene zeigen, dass die Katholische Kirche eine weiterhin gültige (aktuelle und praktisch wirkende, theoretisch immer zu bearbeitende) Verbindungsfähigkeit über die subjektiven Steckenpferde der einzelnen Gesellschaften und Gruppen hinaus hat.

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