Immer Ökumene und niemals Gleichbedeutung?

Eine (holistische) Perspektive auf die strukturellen Rollen von ‚Katholik‘ und ‚Evangelik‘ in der Gesamtheit

In den evangelischen bzw. protestantischen Kirchen und Gemeinschaften werden die verschiedenen Glaubensrichtungen und Varianten auch formal-institutionell getrennt. In der Aufteilung in verschiedene Kirchen und Freikirchen wird der Unterschied praktisch gelebt. Die Gemeinsamkeit bleibt durch die übergeordnete Sammelbezeichnung „Protestantische“ oder „Evangelische“ Kirchen bzw. Konfession(en) erhalten. Die Katholische Kirche ist – bezüglich ihres Anspruchs an sich und von ihrer (bzw. einer ihrer) sozialen Rollendefinition(en) her – die ‚eine‘ Kirche. Ein großes Dach und Haus, mit vielen Zimmern als Teile des Ganzen. In einem Küchen-Bild könnte man vielleicht formulieren: Die evangelischen Kirchen kochen ihre (oft ähnlichen, aber unterschiedenen) Suppen getrennt. Es wird (in Form und Inhalt teilweise unterschiedlich) an verschiedenen Orten gekocht, und vielleicht, mehr oder weniger oft, gemeinsam gegessen. Die Katholische Kirche hingegen kocht nicht. Sie ist (sozusagen) die Küche. In dieser (gedachten) Gemeinschaftsküche kochen die Katholiken der verschiedenen sozialen und kulturgebildeten ‚Welten‘ zusammen (teils mit- und teils nebeneinander).

Mit jeweils teilweise sehr unterschiedlichen Zutaten, Gewürzen und (daraus folgend) Rezepten. Unter den gemeinsam geteilten wörtlichen und formellen Begriffen und Symboliken der Kirche kommen subjektive Welten und Vorstellungen von (u.a.) Glaube und Kirche zusammen, auf einer Plattform. Keine ‚kommunistische‘ und keine ‚libertäre‘. Aber doch (und vielleicht teils gerade deswegen) eine inter- und trans-national, -kulturell und multi-sozialperspektivisch gemeinschaftsstiftende Institution. Das große Haus als ein sozialer Treffpunkt, der feste Rituale und Regeln für den Erhalt des Hauses als solches pflegt. Und das im Inneren umso bunter oder zumindest widerspruchs-integrativer ist. Die Katholische Kirche und Kultur als eine WG der Widersprüche.

Daneben – und jenseits der Subjektivität des einzelnen Bewohners gedacht*: nicht schlechter oder besser – wohnen die Protestanten. In einer ihrerseits bunten Gruppe von verschiedenen (unterschiedlich großen) Häusern. Die Einen etwas näher zusammen, die Anderen weiter weg. Die ‚Evangelik‘ als Dorf. Auch die Distanzen zwischen den Häusern dieses Dorfes – wie auch zum Haus der Katholiken oder denen der Agnostiker, Muslime, etc. –  sind je nach subjektiver Perspektive des Betrachters** mehr oder weniger groß. Form und Inhalt weichen voneinander ab und sind sich ähnlich – auch je nach dem, auf welche Details und Symbole man achtet und wie man diese interpretiert.

So bleibt auch für die Beziehung zwischen ‚Katholischem‘ und ‚Evangelischem‘ viel gedanklicher Raum zu und zur Interpretation und Verortung. (Seiner selbst und der und des Anderen.) Zu Nähe und Distanz, Betonung von Gemeinsamkeit(en) und Unterschieden (welche menschlich wohl beide nicht ohne einander denkbar sind). Die Komplementarität von Evangelik und Katholik (als lebenskulturelle Vorstellungen, Stile und Perspektiven, auf Göttliches und Weltliches) ist dabei eine verbindende Verknüpfung – auf der Grundlage des Gesamten als die gemeinsame Basis (die nicht nur für Katholisches und Evangelisches im Leben „feststellbar“ ist). Auf (abstrakt) und in (praktisch) der Gesamtheit bleibt die Unterscheidbarkeit (der Phänomene und [bzw. deren] Interpretationen, so auch bei ‚Katholik‘ und ‚Evangelik‘) vorhanden. Und daher (und dadurch?) auch immer die (teilweise, mehr oder weniger stark interpretierte und gelebte) Ökumene als mögliche Perspektive und Praxis.

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* Wirklich bzw. komplett jenseits der Subjektivität zu denken ist wohl letztlich nicht möglich. Es kann aber lustigerweise trotzdem als Vorstellung (an)gedacht werden. Dieses An-Denken kommt dabei nichtsdestotrotz aus der jeweiligen subjektiven Perspektive des Denkenden.
** Die subjektive Perspektive des Betrachtenden (etc.) ergibt sich, meiner Formulierung nach, aus dem aktuellen Stand seiner individuell-sozialbezogenen Lebensbiographie.

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