The beat goes on / „We didn’t start the fire“

Welche ökonomische, oder in einer größeren Perspektive ökonomisch-politisch-philosophische, Theorie gefällt Ihnen am Besten? Zum Beispiel, weil sie sich vernünftig anhört, oder weil sie logisch scheint, oder weil sie für Sie stilistisch ansprechend ist. Welche Erzählung von der Welt in diesem Bereich ist Ihr derzeitiger Favorit?

Keynesianismus, Neoliberalismus (der hat die Rolle des angstmachenden, vermeintlich mächtigen, Bösewichts), Österreichische Schule, klassischer Marxismus, Neomarxismus, Freiwirtschaftslehre, …? So viele Möglichkeiten – diesbezüglich ist die Welt plural (oder kann uns zumindest so [er]scheinen). Aber für manche kommt “immer noch“ (bzw. aus sozialer Sicht ist Revolutionssuche ein konstantes Phänomen, zumindest in/von Großgesellschaften) die revolutionäre Alternative (als echte Utopie oder Heterotopie) zu kurz.¹

Andererseits ist es möglich (nicht alleingültig) zu interpretieren: Die Praxis ist die (theoretisch und praktisch dazugehörige) andere Seite der menschlichen Möglichkeit zur Theoriebildung. Und diese Praxis “goes ebenfalls on“ – im Guten wie im Schlechten:

Wir werden weiter „arbeiten gehen“ (und oder auch mal nicht). Ob “klassisch“ (in der derzeitigen post-industriellen Weise) oder in neuen Formen: Wir werden uns weiterhin ‚arbeitend‘ betätigen.
Im “Schlechten“, weil wir oft nicht das machen können, was wir machen wollen (und vielleicht dann mehr oder weniger lange tun würden), wenn wir es genau in der Situation könnten, in der wir es eben nicht können. Im “Guten“, weil Arbeit (u.a. als Selbsterleben und soziale Ausdrucksform) zur Ausgewogenheit unserer Lebensstruktur gehört, wie es z.B. Hilarion Petzold (Die fünf Säulen der Identität) beschreibt. Aber wie auch u.a. schon Karl Marx mit (s)einer perspektivisch sehr betonten (theoretisch zentralisierten) Definition und Verwendung des Begriffes der »Arbeit« annahm und formulierte.

Zumindest für die Subjekte bzw. Akteure in den Strukturen ihrer Zeit gilt: „We didn’t start the fire“.

Das ‚Wirtschaften‘ (bzw., in Heinsohn-Steiger’scher Begriffsverwendung, zumindest das Arbeiten/Produzieren) wird vermutlich auch unabhängig von der Theorie (ob es die „Richt’ge“ oder die „Falsche“ sei) weitergehen.²
Der Beat wird weitergehen: „Round and round and round it goes, and where it stops nobody knows.“ Up and down, round and round. Sometimes high-up und sometimes rock-bottom. Abwärts ist die Vorstufe von Aufwärts. So sagt zumindest der Optimist. Irgendwann ändert sich der Beat vielleicht.³ Aber es bleibt ein Beat. Hier könnte man vielleicht die Frage der „Killers“ abwandeln: Are we human or are we dancer [to the beat]? Human dancers.

___

¹ Meiner Einschätzung nach ist das durchaus verständlich, denn Theorien revolutionieren nicht, sie folgen den Revolutionen als farbgebendes Marschgepäck.
² Das soll kein Plädoyer gegen die Theoriebildung sein. Und vor allem nicht gegen das Reflektieren. Auch die Auswahl zwischen den, zur jeweiligen aktuellen Zeit herumgeisternden, Erzählungen (über die Welt und ihre Teile) ist (oder kann zumindest sein) ein wichtiger Bestandteil der subjektiven Positionierung, von Individuen und Gruppen. Damit mindestens – und das ist von höchstem Gut – psychisch relevant. Theorienbildung als soziales Phänomen ist wohl auch, mindestens seit der Sesshaftigkeit des Menschen, existent.
³ Der Beat ändert sich, auch in und durch unsere Rezeption dadurch, je nach dem, aus welcher Perspektive wir „ihn“ erleben (praktisch) oder konzeptionalisieren (theoretisch). Für manchen Betrachter mit ‚kritischer Theorie‘ (als theoretischer Hintergrund, Orientierungsmaßstab, etc.) sind z.B. „Keynesianismus“ und „Neo-/Ordo-Liberalismus“ keine relativ weit auseinanderliegenden (oder überhaupt grundsätzlich unterschiedlichen) Theorien und Modelle. Von diesem speziellen Aussichtspunkt, von dem er (oder sie) auf die anderen Theorien von der Praxis schaut, sind diese Konzeptionalisierungen beides Erzählungen des systemisch gleichen „Kapitalismus“ oder „Neoliberalismus“ etc.

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