Das punktualistisch-strukturistische Modell

Eine Skizzierung meines abstrakten punktualisischen und strukturalistischen (der besseren Unterscheidung wegen vorläufig auch punktualistisch-strukturistisch* genannten) Modells von makrosozialer Stabilität und Veränderung:

Bei vielen Akteurperspektiven wird (oftmals zur Darstellbarkeit/Denkbarkeit dieser Perspektiven erforderlich) implizit ein Handlungs- bzw. Denkens-Spielraum von Menschen und die Veränderbarkeit der Akteur-Positionen und -Rollen, durch eben diese Akteure selbst, angenommen. Die ‚punktualistisch-strukturistische‘ Modellierung ist eine von vielen strukturzentrierten Modellierungen. Diese unterscheiden sich, im Ausgangspunkt und der (vielleicht etwas reduziert formuliert) primären Blickrichtung ihrer (Nach-)Erzählung sozialer Zusammenhänge, von den akteurzentrierten Perspektiven.

Zur thereotischen Erfassung – d.h. um eine Möglichkeit zur Betrachtung und Veranschaulichung von abstrakten sozialen Vorgängen zu ‚erzeugen‘ (und gleichzeitig zu behaupten) – geht das Modell von einer (irgendwie gearteten) Kausalität der Strukturen aus. Diese Kausalität/Bedingtheit geht, zumindest in der Betrachtungsrichtungs-Möglichkeit des Modells, den Akteuren und ihren Handlungen voraus. Die Strukturen bedingen das Handeln der Akteure und können von diesen nicht willkürlich, und letztlich nicht einmal bewusst, verändert werden. Das Modell liegt, auf einer Skala zwischen Akteurautonomie und Strukturdeterminismus, relativ nahe beim Determinismus. Es verzichtet auch (zumindest abstrakt-theoretisch) auf die Annahme eines „freien Willens“ **.

Aus dieser angenommenen und (in heutigen/gegenwärtigen Begriffen) denkens-möglichen Strukturperspektive heraus sind es die Grundstrukturen (und deren differenzierbare, aber aus diesen stammende Strukturen und Sub-Strukturen), welche die Begriffe einer Gesellschaft und deren Bedeutungen bzw. Bedeutungs-Optionen hervorbringen. Diese (zumindest in einer „modernen“ Großgesellschaft intern differenzierten bzw. dort als Plural interpretierbaren) Strukturen bilden den (jeweils zeitgebundenen) ‚Horizont‘ (den Fundus an potenziellen Bedeutungsmöglichkeiten) für die Bedeutungs-Zuschreibungs-Praxis in einer bestimmten ‚Zeit‘ ***. Gemeint als die Zuschreibung von Bedeutung (Sinn, Unterscheidbarkeit, etc.) zu Begriffen, die wiederum auch mit Begriffen (der jeweiligen ‚Zeit‘) erfolgt bzw. logisch erfolgen „muss“. Die ihrer Situation (in Raum und Zeit) entsprechenden – weil von dieser Situation bedingten – Grundstrukturen drücken sich in den sozialen Bedeutungs-Zusammenhängen aus. Die Grundstrukturen werden für den Menschen, als (perspektivgebunden[en]) reflektierensfähigen Akteur, potenziell (und wohl auch immer nur, in mehr oder weniger großen Ausschnitten, partiell) sozial ’sichtbar‘:
Im bzw. über den ‚Aggregatszustand‘ der Strukturen. Damit gemeint ist die Stabilität der Strukturen (Aggregatszustand: Stasis/stabil) oder deren punktueller Wandel (Aggregatszustand: Veränderung; mit Umbruch, Restrukturierung und Re-Etablierung als Phasen). In der Beobachtung und (der subjektiv gebundenen, aber eventuell intersubjektiv teilbaren) Interpretation von Stasis, Krise, Wandel und Re-Etablierung etc. – also von Stabilität und Veränderung als potenziell unterscheidbare Zustände – können Grundstrukturen, deren Veränderung und eventuell neue Grundstrukturen auf- bzw. „wahr“genommen und interpretiert werden.
– Die Grundstruktur (der jeweiligen ‚Zeit‘) und alle weiteren Strukturen drücken sich auch, und letztlich primär nur, über die diese Strukturen verkörpernden Akteure aus. Das sind alle Menschen, mit ihren Positionen im Sozialgefüge, ihren Rollen in den verschiedenen Strukturen/(Sub-)Kontexten und ihrer Positionierung zu den jeweiligen „Verhältnissen“ (Seien es bzw. ob diese interpretiert und sozial kommuniziert werden als Herrschafts-, Austausch-, Freundschafts- oder sonstige Beziehungen).

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* Das Modell ist nicht (direkt) strukturalistisch. Es hat weniger die Betonung auf konkreten Zeichen und Symbolen etc., was u.a. den klassischen Strukturalismus ausmacht. Auch ist der Fokus nicht auf Diskursanalyse wie beim Poststrukturalismus. Trotzdem ist das Modell u.a. von diesen beiden philosophisch-geisteswissenschaftlichen ‚Plattformen‘, neben anderen, inspiriert.
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Dabei ist sich der Modellierer (also ich) des ‚Paradoxons des freien Willens‘ bzw. der schwierigen Unterscheidbarkeit von Indeterminismus und Determinismus „bewusst“ bzw. er nimmt diese an. Diese ist also für mich, ob determiniert oder nicht, im Moment des Schreibens dieser Zeilen und derzeit gedanklich ‚vorhanden‘.
***
Die ‚Zeit‘ bzw. „Zeiten“ ist hier Begriff für die Grundstruktur der Gesellschaft und ihrer Substrukturen in den Dimensionen Zeit und Raum. Als der Ausdruck der Situation einer (als) zusammenhängend beschreibbaren Gesellschaft eines bestimmten Ortes (Raum) in einer bestimmten Zeit (Epoche, Ära, etc.).

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One thought on “Das punktualistisch-strukturistische Modell

  1. […] und deren Wertzuordnung in einer Gesellschaft beding – stabilisiert oder verändert. Mein punktuell-strukturalistisches Modell soll mittelfristig von mir in anderen Texten weiter ausgeführt und empirisch angewendet […]

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