Postmodernismus und Strukturalismus I

Versuch und Ansatz: Eine postmodernistische Interpretation der Vielfalt auf mikro– und meso-sozialer Ebene plus eine strukturalistische makrosoziale Interpretation und das foucault’sche Potenzial zur Abweichung – zusammen als postmodernistisch-strukturalistischer Humanismus.

Der Postmodernismus mit seiner Suche nach und seinem Blick/Sensibilität für die Vielheit (des Vorhandenen). Wenn diese Vielheit grundsätzlich vorhanden ist, kann man versuchen, sie rekonstruktiv zu erschließen* (zugänglich zu machen) und dann als Vielfalt der Menschen und für die Menschen zu konstituieren. Vielfalt hier in einer Variation des Bilds des ‚öffentlichen Raumes‘ von Hannah Arendts als kommunikatives Treffen der einzigartigen Individuen.

Strukturalistische Differenzierung an einem makrosozialen Beispiel darzustellen versucht:

Die gesamte „westlich“ strukturierte Welt – und (teils anders, teils nachholend) darüber hinaus – erlebt derzeit eine grundstrukturelle Umbruchphase. Strukturalistisch vereinfacht ausgedrückt: Die sozialstrukturelle Position der verschiedenen Gruppen bedingt deren unterschiedliche Perspektive auf die heutigen Veränderungen. Die Einen sind deren Avantgarde, die anderen Opportunisten oder Konformisten, wieder andere empfinden aus ihrer Position heraus die Veränderungen eher als negativ. Manche reflektieren aktiv darüber, für andere wirkt die Veränderung als abstrakte, diffuse Bedrohung ihrer bisherigen sozialen Welt. Das ist komplex und doch im Groben vielleicht (re-)konstruierbar. Für den Ansatz eines strukturalistischen Humanismus (aufgrund der Analyse eines humanistischen Strukturalismus) ist es wichtig, dass die verschiedenen sozialen Gruppen miteinander kommunizieren. Dass sie sich nicht nur gegenseitig beleidigen und sich das wechselseitige Nicht-Verstehen(-Wollen und teilweise -Können) an die Scheuklappen werfen. Strukturperspektivische Scheuklappen, an denen die oft groben und moralisierend (instrumentalisiert) aufgeladenen Vorwürfe meist intellektuell abprallen, aber teils psychische hervorrufen und manche zur physischen Verletzung des „Feindes“ motivieren. Vielleicht ist das Ordnen der Welt(en) gerade in komplexen Gesellschaften, die differenziert-pluralistisch sind (bzw. zumindest oberflächlich so erscheinen und wirken) wichtig, damit nicht ständig Krieg um die Vorherrschaft genau einer Weltdeutung (Lebensweise etc.) geführt werden muss (damit also der weiche Dualismus nicht [oder nur selten] zum harten Dualismus wird, vgl. Carl Schmitt und andere). Zu einem solchen Ordnen der (für den Menschen herausfordernden) Vielheit (insbesondere der modernen Gesellschaft) gehören vielleicht u.a. das rituelle Abgrenzen und das Trennen/Einteilen von Gruppen, Bereichen, Sphären** etc. Bei einer holistischen Betrachtung gehört die Abgrenzung als solche (die zu Ausgrenzung werden kann aber nicht muss) wohl dazu. Wenn Abgrenzung aber zur Legitimierung von Herrschaft bzw. Ungleichbehandlung benutzt wird, als Korsett des Etablierten (mit passiv-autoritärem Charakter, bzw. als strukturelle Gewalt, wenn man so formulieren will) oder zur aktiven Ausgrenzung und Gewaltanwendung (im weiteren Sinne) benutzt wird (also aktiv-autoritären Charakter annimmt), dann ist aus Sicht eines postmodernistischen Humanismus spätestens dann Dekonstruktion und Infragestellung angezeigt. Bishin zur aktiven Abweichung, die zumindest versucht werden kann, und meiner Meinung nach dem Grundsatz nach immer wieder versucht werden muss. Es müssen (werden und sollten vielleicht) nicht immer die gleichen Akteure sein, die Abweichung auf individueller Ebene handeln oder auf abstrakterer Ebene kommunizieren.

___
* Ersatzweise könnte man sie auch konstruktivistisch konstruieren. Wobei meiner derzeitigen Einschätzung nach jede Konstruktion, die tragfähig sein soll/kann, auf strukturell fruchtbarem Boden gebaut sein muss, d.h. eine Basis in der (Grund-)Struktur haben muss – und daraufhin in einer konkreten (Sub-)Struktur haben kann.
** Eine der Fragen zur Einteilung der Welt(en) in (und anhand von) Sphären ist u.a. der weiterhin offene sozusagen Dualismus zwischen den Positionen (vereinfacht formuliert) a) „Alles ist politisch, alles ist öffentlich“ [Monismus] und b) Trennung zwischen Öffentlichem und Privaten Bereich ist notwendig/wünschenswert etc. [Dualismus].
Der Dualismus an sich, als Phänomen des Antriebs formuliert von Jacques Derrida, wird schon seit Jahren immer wieder rekonstruiert, dekonstruiert und ersteht wieder neu. Derzeit scheint mir das grundsätzliche Infragestellen-Dürfen und das Potenzial zur Abweichung von der Routine das wichtigste (und einzige) Mittel gegen eine Verkrustung aller Dinge zu sein, die den Status des Etablierten erreicht haben (wie „neu“ oder gar „revolutionär“ sie auch einst gewesen sein mögen) – vgl. hier u.a. U3000 von Christoph Schlingensief.

Mit Tag(s) versehen: , , , , , ,

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: