Offenes Leben

„Es gibt kein richtiges Leben im Falschen.“ (Theodor Adorno)
Es gibt kein richtiges Leben. (Nihilistischer Satz)

Beide Sätze sind meiner Einschätzung nach richtig. Mensch kann nicht richtig im Falschen leben. Aber wie er richtig lebt ist unbestimmt. Jedenfalls nicht vorherseh- und planbar. Das ist das Erschreckende und Offene zugleich am nihilistischen Blick auf das Leben. Und an der postmodernistischen Relativierung jeglichen Absoluten. Die Schwierigkeit ist, nicht in einen absoluten „Relativismus“ – also in dessen Selbstaufhebung – zu verfallen. Der Sinn liegt in der Mitte. Aber finden wird man ihn dort nicht. Denn die persönlichen Wege gehen nur zufällig einmal durch die Mitte – und meist irgendwo zwischen Mitte und Rändern herum. Fortschritt in einem Kreis? Vielleicht dadurch, den eigenen Lebensplan im Relativen gestalten zu können. Oder Absolutes zu konstruieren, aber sich dessen Relativität bewusst zu bleiben. Selbstironie, ohne alles zu ironisieren -> Zynismus. Denn wo geholfen werden kann, da soll geholfen werden. Sich und anderen. Aber dies fängt im kleinen Kreis an und in der Masse. Dazwischen ist die Gruppen-Ebene, von Klein- bis Großgruppe. In dieser ist die soziale Normierung und der Disziplinierungsdruck am Größten. Und das Potenzial – zumindest aus meiner Sicht – am Geringsten.

Ich erkenne an, dass alle Ebenen wichtig sind. In einer Heinrich Heine’schen Unterscheidung von liberal und konservativ bin ich aber meist auf der liberalen Seite zu Hause. Hänge aber als Salonliberaler dann auch besonders gerne in „konservativen“ Bereichen herum. Hat vermutlich damit zu tun, dass ich a) unselbständig und (zumindest teilweise) sozialsüchtig bin. Und b) ein ausgeprägter Advocatus diaboli. Die Minderheit ist meine Passion. Vielfach gehöre ich selbst zu einer (was Ansichten, Perspektiven, etc. angeht). Aber auch bei fast allem anderen bin ich für die Minderheit, unabhängig vom Inhalt. Weil es die Mehrfalt geben muss und meinem Wunsch nach die Vielfalt geben sollte. So oft und so konkret vorhanden wie möglich. Ohne Show und etablierte Fassade zu werden. Sondern gelebter Alltag und gedachte theoretische Grundlage des Denkens. Wenn Vielfalt gedacht und gehandelt wird, ist monokultureller bzw. mono-ideologischer Autoritarismus nicht unhinterfragt. Das ist das Wichtigste. Dann und nur dann kann die Mehrfalt ein Potenzial entfalten, das inhaltlich ein mehrfaltiges Leben ermöglicht. Eines, das theoretisch offen – also nicht vorhersagbar – ist.

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