Relativierung der absoluten Sinnhaftigkeit und Sinnlosigkeit gleichzeitig

Verlust der Glaubwürdigkeit (im Sinne von säkularem Glauben an etwas) für frühere Status-Symbole des vermeintlich gebildeten Standes? U.a.- Friedensnobelpreis
– Doktortitel
Ein Zeichen der Emanzipation von albernen Statussymbolen? Oder eine Dekadenz und Verlust von Werten?
Weder noch, meine ich. Es ist eine strukturelle Veränderung, die die alten Symbole nicht mehr glaubwürdig erscheinen lässt (sie sind anachronistisch geworden). Danach folgt aber regelmäßig nicht die grundsätzliche Hinterfragung solcher Symbole als solche (in einem kritischen Sinn, z.B. kritisch-nihilistisch), sondern deren Ersetzung durch prinzipiell (bzw. psychologisch und soziologisch funktionsäquivalente) gleiche Symbole mit neuem Namen. Ohne Symbole geht es nicht, schon klar. Es scheint aber (großteils? und grundsätzlich) leider nicht einmal ohne Oberflächlichkeit und Symbolgläubigkeit zu gehen.
Der (sozusagen) sozial-evolutionäre Vorteil der dualen Institution Symbol/Symbol-„Bekämpfer“ ist: Es gibt Arbeit und soziale „Meriten“ (Pseudo-Leistungen für gesellschaftliche bzw. peer-group Anerkennung) für beide Seiten. Die aktive Seite (früher Doktortitel-Träger, heute ? neue Statussymbole) sucht sich neue oberflächliche Statussymbole. Die passive/Gegenpart-Seite jagt die alten Statussmbole und so bald die Neuen etabliert sind auch diese wieder. Aber nicht des Inhalts wegen, sondern als das inhaltlich beliebig austauschbare Spiel von „tollem“ sozialem Throninhaber versus „heldenhaft mutigem, kritischen, etc.“ Thronstürzer. Und so wird das Stück mit verschiedenen Akteuren immer wieder aufgeführt.
In einem wohlhabenden Wohlfahrtsstaat ist den Leuten (noch) langweiliger als in anderen Gesellschaftssituationen. Das ist großteils glücklicherweise so (besser als arm und dauerbeschäftigt). Diejenige der Plagiats- und sonstigen Sozial-Jägerei, die auf Neid und Minderwertigkeitsgefühlen basieret ist ein trauriges Beispiel für menschliche Existenz-Leere. Aber wiederum glücklicherweise hängen Leben und Würde eines Menschen nicht von einer Dissertation ab. Die Entwertung des Doktortitels ist also gerade für die Titelinhaber eigentlich befreiend. Wenn auch ein Verlust an vermeintlich zu haben geglaubter abstrakter sozialer Reputation.

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