Verantwortung von Individuum, Subjekt, Gesellschaft

Gesellschaft – Individuen. Mensch kann sich u.a. als Individuum und als Subjekt beschreiben. Als Subjekte (dies alles in meiner persönlichen Verwendung dieser Begriffe) sind Menschen , wenn sie in einer gesellschaftlichen Sozialform leben, Teile einer Gesellschaft und von verschiedenen Subgruppen in dieser Gesellschaft.
Das Individuum ist (für mich oder mir erscheinend als) literarisch-existenzial/istisch gesehen die Plattform offener Möglichkeiten des jeweiligen Menschen, als konkreter Mensch (jeweilig) und allgemein eines jeden Menschen (alle sind auch Individuen).
In der Praxis nicht unabhängig von seiner gesellschaftlichen und subgesellschaftlichen Konstituiertheit (als Subjekt, und ggf., aber ethisch bedenklich, als Objekt). -> Aber ein anderes Phänomen, evtl. (verbildlichbar als) auf eine anderen Ebene, ist das Individuelle. Eine Ebene/Aspekt des Lebens, auf der/in dem reflektiert und sich ausgerichtet werden kann. Zur jeweiligen Welt und Situation und zum Leben. Die Individualität eines Menschen kann also (in meiner Vorstellung/Ansatz) das Subjektsein transzendieren (überschreiten und reflektierend durchscheinen). Grundsätzlich ist dieses Potenzial immer da. Gedanklich und darauf folgend in Handlungen. Sie sind aber auch immer gleichzeitig (außer vielleicht isoliert lebende Einzelne oder Kleingruppen) Teil eines sozialen Gefüges und Gebildes.
Gerade als Individuen sind sie für die Reflexion ihrer strukturellen Position(en) und ihre  Haltung/Selbstpositionierung, durch die, in, und zu den Strukturen, verantwortungsfähig und verantwortlich. Das ist es auch, was aus der Vernunftbegabung (apriorisch, universelles Potenzial aller Menschen) und aus der impliziten oder expliziten Behauptung/Praxis, eine Person zu sein, folgt. Eine Lossagung von der Gesellschaft, in der eine Person lebt, ist also gerade auf dieser individualen Grundlage nicht möglich. Als (theoretisches) reines Subjekt könnten wir noch vollständiges Unterworfensein oder heteronome Zusammengesetztheit behaupten. Als Individuum, aber auch allgemein als praktischer Akteur, der in irgendeiner Form ausdrückt „Ich…“, ist die vollkommene Verantwortungslosigkeit nicht möglich bzw. weder theoretisch noch praktisch begründet. Ein vollkommen von außen konstituiertes Subjekt wäre ein Objekt. Menschen versuchen immer wieder Menschen als Objekte zu instrumentalisieren und herabzusetzen. Gefangene und politisch-sozial Unterdrückte werden teilweise wie Objekte behandelt, aber sie bleiben in ihrer Würde als Menschen immer trotzdem noch Subjekte – als Teil eines strukturellen Gesamtgebildes – , und Individuen.

Eine Bedrohung durch ein autoritäres, insbesondere durch ein diktatorisches bis totalitäres System [und jedes System wird von Menschen ausgeführt und reproduziert], ist für das Subjekt ein qualitativ anderer, größerer Druck zur Nicht-Abweichung (in systemisch im Fokus/Radar stehenden Fragen, Bereichen und gesetzten Themen). Für das Individuum bleibt die Verantwortung zu Denken, solange es denken kann. Und daraus überschwappend/mittelfristig folgend eine bestimmte (wieder implizite oder explizite) soziale und politische Stellungnahme bzw. Verhaltensweise. Handlungen (Auch Nicht-Handeln ist hier eine Handlung) z.B. als ‚etwas tun oder nichts tun‘. Wobei das ‚etwas tun‘ nicht ein dualistisches Gegenteil von ’nichts tun‘ ist, sondern eine offene Beschreibung irgendeiner Handlung, also ein Begriff, der erst jeweils mit Inhalt gefüllt wird). Nichts tun gegenüber einem Vorgang oder Zustand ist auch eine Handlung (die u.a. gut sein kann, als Toleranz, oder schlecht als Ignorieren von Ungerechtigkeit). Auch das Nichts tun ist also keine neutrale Position, es sei denn, es stünden sich genau gleich starke z.B. Akteure oder Strukturpositionen gegenüber.

Individuum in der Mitverantwortung für soziale Vorgänge bemisst sich im Bereich der (individuellen) Möglichkeiten des Individuums, und des Subjekts (als die zum Teil des Menschen gewordene Gesamtheit ihrer seiner Rollen in den sozialen Strukturen). Es gibt, auf der gesellschaftlichen Ebene, auch eine Kollektivverantwortung der Gesellschaft für ihre Ergebnisse (die Ergebnisse ihrer durch sie konstituierten Teile, ihrer Systeme und Strukturen), z.B. die Ergebnisse einer Diktatur, eines Krieges, oder auch einer Wirtschaftsweise etc. Die individuelle, die subjektmäßige und die kollektive Verantwortung sind relativ unabhängig und abhängig zugleich. Sie sind verschiedene Aspekte des Lebens, aber verwoben, logisch (im theoretischen Nachvollzug) und praktisch.
Ein individueller Blick, und auch ein Blick auf das Individuum, ermöglicht demnach nicht die Aussage: Ich habe damit nichts zu tun, ich bin ja nur ein Einzelner (denn das könnte jeder behaupten bzw. gilt für jeden Menschen). Von beidem, vom auch Einzelner sein und vom auch Teil von etwas sein, kann sich der mensch nicht vernunftmäßig, nicht wahrheitsgemäß, aber auch nicht praktisch-wirklich, distanzieren. Ein Verneinen der eigenen Aussagefähigkeit durch eine Aussage wie: Ich bin kein Ich, sondern nur willenloser Teil einer Masse, ist nicht möglich. Und auch in dieser Behauptung wäre ein Mensch Teil eines Kollektivs oder einer sozialen „Masse“. Aber dann als einzeln nicht „funktionsfähiges“ Teilchen, herausgenommen aus der Masse nur noch ein Objekt. Und damit ohne Rechte etc. Keine sinnvoll gangbare Option. Mensch kann seine grundsätzliche Würde, sein Vernunftpotenzial und sein Personsein, nicht abgeben. (Warum nicht ist auch eine Frage, die Vernunft wird ja oft vorausgesetzt.)

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