Offenheit mit Vernunftbasis

Ein soziales (politisch, ökonomisch, kulturell etc.) Thema ist meist vielfach verknüpft mit verschiedenen Faktoren – die in seiner Entstehung (Genealogie) vorausgingen, oder mit ihm aktuell wechselwirken etc.

Eine Argumentation, verbal oder im – differenzierter sein könnenden – Text bezieht nie alle Aspekte mit ein, denn das ist nicht menschenmöglich. Zumindest nicht dem jeweiligen einzelnen Menschen möglich, sondern nur als theoretischer Idealfall (der anstrebbar und nicht gänzlich erreichbar ist): den vielen Stimmen aller Menschen. Diese sind dann viele gleichzeitige subjektive Schilderungen. Sie können nicht anhand eines Leit-Inhalts „objektiv“ bewertet werden, denn auch der sich aufschwingende Leit-Inhalt wäre ein subjektiver. Es besteht also keine Deutungs- bzw. Zusammenfassungs-Hoheit anhand bestimmter festgelegter Inhalte (Ideologien etc.) [<- So weit hat u.a. der Postmodernismus recht.][Und hier Vernunftphilosophie:] Vernunft ist eine pragmatisch-transzendentale Voraussetzung der Vergleichbarkeit, also jedes Maßstabs für eine Kommunikation zwischen Menschen (zwischen mehr als einem Menschen, und genauso auch des abstrakten Denkens innerhalb eines Menschen). Wenn man diese Vernunft annimmt, kann sie nicht partikular auf bestimmte Menschen (und andere nicht) verteilt sein, sondern muss eine universell-menschliche Eigenschaft sein (als solche angenommen werden). Mit dieser Vernunft kann ein Mensch dann – (bei reiner Vernunft: ohne inhaltliche Vorfestlegung; in der Praxis: möglichst distanziert von den eigenen Vorurteilen/subjektiven Prägungen etc.) – andere Kommunikationsäußerungen relativ offen aufnehmen und analysieren. Und hiernach auch (in einem weiteren Sinne von kritisch-rational: nachvollziehbar; kritisierbar; nicht abschließend, also weiter für Verbesserung offen) bewerten.

Vernunft-praktisch ist es also nicht möglich, aber auch nicht fatalistisch nötig, dass ein Text immer alles mit einbezieht – solange ein anderer die gleichberechtigte Möglichkeit zu sowohl Ergänzung als auch Kritik hat. Dazu gehört es, dass keiner (Regierung, ideologische Gruppen etc.) eine Diskussion abschließend festlegen kann. Jede Stimme trägt (strukturell: immer; und inhaltlich: je nach Ernsthaftigkeit [also: Offenheit für Austausch, gegenseitige Argumentation und Kritik]) zum Erhalt einer offenen (kritisch-rational: fehler- und erkenntnis-fähigen) Diskussion/Gesellschaft und zur konkreten Bearbeitung von Themen bei. Jede Unterdrückung einer „falschen Meinung“ verletzt die offene Gesellschaft und dadurch die Basis des Rechts: das grundsätzlich gleiche Recht aller.

Der Sinn von differenzierter Auseinandersetzung ist nicht das Fixieren, sondern das Offen-halten der Gedanken (u.a. als Kritischer Rationalismus). Dafür braucht es eine strukturell feste (nicht inhaltlich festgelegte) Basis. Diese ist aus meiner kantianischen Einschätzung der ‚archimedische Punkt‘ der Vernunft. Darauf basiert u.a. die Anerkennung der gleichen Rechte aller Individuen. Und wiederum daraus folgt auch u.a. das Recht, in der Äußerung der Meinung (als Meinung) nicht unterdrückt zu werden. Aus ethischer Sicht: Nicht sozial daran gehindert zu werden. (Was aber mit sozialer Kontrolle etc. mehrere Aspekte hat). Aus rechtlicher Sicht: Nicht durch Gesetz und Staatsgewalt daran gehindert zu werden.

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