Das Echte vs die Vielfalt

Der Glaube an die Existenz der „Echtheit“, den einzig wahren Kern etc. ist ein romantischer Irrglaube. Es ist aber eine Vorstellung, die in Deutschland  einen Platz unter den wiederkehrenden Kulturphänomenen hat und ist daher aus konstruktivistischer wie aus postmodernistischer Sicht durchaus vorhanden, qua sozialer Kommunikation (darüber).

Ich behaupte jetzt aber mal einfach so salopp: Aus utilitaristischer Sicht sollte man auf die Suche nach einer romantisierten Echtheit verzichten. Denn diese nimmt die Vielfalt der Möglichkeiten, die die heutige Gesellschaft (und wohl auch vielfach schon alle anderen Gesellschaften in verschiedenen Ausprägungen) bietet, und überprüft alles an einem Kriterium der „Echtheit“ oder „Authenzität“, aber auch an „Wahrheit“ in gewissen Formen und ähnlichem.

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(Anti-)“Postmoderne“ Oberflächlichkeit

Viele reden von „postmoderner Verantwortungslosigkeit“, aber nur wenige wollen sie übernehmen.

Wenn mit ‘Postmoderne’ die Zeit als solche, als Epoche etc., gemeint ist, könnte man spekulativ von „Verantwortungslosigkeit“ sprechen. Dafür muss man aber interpretativ (subjektiv) definieren (intersubjektiv kommunizierbar machen): Was ist Verantwortungslosigkeit und was ist diese postmoderne Zeit? Da wird es dann schon eine Herausforderung, die über das Postulieren von oberflächlich normativistischen Sätzen und Bedeutsamkeits-Parolen hinausgeht.

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Flaggenlehre aus Flaggenleere

Eine Flagge mit dem Symbol einer vermeintlichen Einheit eines konstruierten Kollektivs zu schwenken hat nur einen kollektiven Sinn, solange man daran glaubt (also diesen Glauben hat bzw. aufrecht erhalten kann). Eine solche Kollektiv(ver)äußerung scheint daher maximal geeignet für temporäre Verbrüder- und schwesterungen, z.B. bei heutigen Fußball-Ereignissen und anderen Veranstaltungen (wenn diese unfanatisch und nicht politisiert aufgeladen von statten gehen), die kurzfristig sind. Also im Zuge (z.B. formuliert als: in der nicht-weltenbewegend-orientierten Dialektik) von sozialen Ereigniskonstruktionen, die keine sozial weitergehenden Positionierungen und Unterscheidungen – wie praktisch wirksame Dualismen und aggressive Abgrenzungen (Dualismen von „milden“/versteckten bishin zu offenen Freund/Feind-Unterscheidungen) – ausdrücken oder reproduzieren (können oder [zumindest] sollen).

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Postmodernistische Skizzen

Umrisse und Skizzen einer postmodernistischen Philosophie. Dazu zunächst mal ein Kontrast-Bild, mit Pudding, Nägeln und Löffeln:

Die Ideologien der Klarheit versuchen den Pudding der Existenz (der Vielfalt der Subjektivität und deren Perspektiven) festzunageln. Der Postmodernismus könnte sich durch den Versuch charakterisieren, die Schüssel zu beschreiben, in der der Pudding in Zeit und Raum zum Ausdruck kommt. Und durch die Orientierung daran, offen zu sein für theoretisch (und/oder praktisch?) die gesamte Vielzähligkeit der Löffel – für jeden Menschen (mindestens) einen – mit denen die Menschen „ihren“ jeweiligen Pudding (ihre Interpretation des Puddings aufgrund ihrer sozialen Biographie und Position) erfahren und erschmecken.


Das punktualistisch-strukturistische Modell

Eine Skizzierung meines abstrakten punktualistisch-strukturistischen* Modells von makrosozialer Stabilität und Veränderung:

Bei vielen Akteurperspektiven wird (oftmals zur Darstellbarkeit/Denkbarkeit dieser Perspektiven erforderlich) implizit ein Handlungs- bzw. Denkens-Spielraum von Menschen und die Veränderbarkeit der Akteur-Positionen und -Rollen, durch eben diese Akteure selbst, angenommen. Die ‘punktualistisch-strukturistische’ Modellierung ist eine von vielen strukturzentrierten Modellierungen. Diese unterscheiden sich, im Ausgangspunkt und der (vielleicht etwas reduziert formuliert) primären Blickrichtung ihrer (Nach-)Erzählung sozialer Zusammenhänge, von den akteurzentrierten Perspektiven.

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Gleichgewicht und Ungleichgewicht

Alltagspsychologisch klingt ‘Gleichgewicht’ gut. „Im Gleichgewicht sein“ erscheint vielen ein erstrebenswerter Zustand. Man könnte meinen, dass dieses Finden und Praktizieren des Gleichgewichts PhlegmatikerInnen vielleicht ‘besser’ (also mit zur subjektiven Suche passenderem Ergebnis) gelingt, als ‘arbeits’affinen Menschen. Ich schätze aber (in subjektiver Perspektive), dass die Chancen auf Kongruenz zwischen Wunsch und Praxis bei beiden (idealtypisierten) menschlichen Varianten eine Frage der Perspektive ist. Gleichgewicht und Ungleichgewicht gehören dabei – ganz dem praktischen Dualismus der menschlichen Weltrezeption entsprechend – zusammen. Ohne Ungleichgewicht kein Gleichgewicht und umgekehrt. In einer bestimmten (hier skizzierten Weise) wirken diese beiden Phänomene jedoch auf verschiedene (theoretisch unterschiedene) menschliche Charakter unterschiedlich.

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Nonintentionale Propheten

und ihre sozialstrukturell heteronomen Jünger. Ideologieabrüstungsperspektivisches Beispiel:

Keynes als Sozialisten zu bezeichnen ist falsch. Dann würde man den Begriff so weit ausdehnen, wie es viele Stürmer- und DrängerInnen mit dem Begriff des Neo-Liberalismus machen: Den Begriff inflationieren und für annähernd alles, was schlecht erscheint in der Welt, verwenden.

Keynes war aber auch keynseswegs ein Liberaler.

Keynes war aber auch kein Keynesianist, ähnlich Marx, der kein Marxist und besonders kein Neo-Marxist war.


Keynes und das subjektiv Wesentliche

Ein wenig geht es mir, in einem Verständnis von Ästhetik als Stil und von Stil als Suche nach Verständigung, wie es Lord John Maynard Keynes vielleicht gegangen ist, zumindest begrifflich und vielleicht zeiten-, stimmungs- oder grundsätzlicherweise.* Wie Beatrice Webb 1936 über Keynesman sagte: „Keynes is not serious about economic problems; he plays a game of chess with it in his leisure hours. The only serious cult with him is aesthetics.“

* Ob er den Begriffen ähnliche Deutung zugemessen hat, kann ich mangels Kenntnis des Menschen Keynes und mangels Information über eventuelle biographische Äußerungen seinerseits nicht zu interpretieren. Wissen sowieso nicht.


Selbstbewegung oder nicht in bewegten Zeiten?

In einer ‘saturierten’ Gesellschaft gibt es wenig (z.B. idealistisch oder destruktiv angemaltes) „Sturm&Drang“-Potenzial, das sich entladen müsste oder könnte. Vereinzelte und kleingruppen-betriebene Gewalt ist immer möglich. Die Polizei dürfte aber – wenn es strukturell so sein “soll“ (bzw. so ist) – in der Lage sein, die jeweilige Ordnung im Ganzen, bzw. als Ausdruck der Gesamtstruktur, aufrecht zu erhalten.

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Weihnachtsmann intersubjektiver als Sozialwissenschaft

Auf eine bestimmte Bart und Weise ist der Weihnachtsmann „realer“ als sozialwissenschaftliche Modellierungen. Er ist sehr vielen Menschen bekannt – mit der heutigen (zumindest technisch-formalen) Kommunikationsvernetzung vermutlich beinahe universell. In unterschiedlicher Gestalt eine abstrakte Institution (mit praktischen Ausformungen) in vielen Regionen, und als solcher ein Einwohner der ‘Weltgesellschaft’. Zu Besuch in kleinen Häusern und großen (Einkaufs-)Palästen.

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