existenzialistischer [handeln] Kantianismus [Basis und Ideal]

Wenn ein privilegierter Mensch den Nihilismus anschaut (in den Abgrund, oder auch die Weite die dieser darstellt), dann reagiert sie/er. Privilegierte Menschen (verschiedener Art) leben u.a. in anderen Fragmenten der Wirklichkeit wie nicht-privilegierte Menschen (verschiedener Art und Weise). Für (materiell und von der sozietalen Position her) mit Muße ausgestattete Menschen scheint mir die Analyse und Herangehensweise (an die Welt als [immer unvollständig re-konstruiertes] Ganzes) eines, ich nenne es mal, existenzialistischen Kantianismus, nicht unvernünftig. Nicht unvernüntig, wenn dabei parallel mensch auch die Strukturen der Welt als Ganzes versucht, zu reflektieren und sprechend (allgemein: kommunizierend, privat und im Diskurs) und handelnd zu berücksichtigen. Das heißt, den ernsthaften Versuch zu unternehmen, die menschliche Welt (zusammengefasst bestehend aus Sein und Handeln) zu berücksichtigen u.a. in einem ihrer grundlegenden Aspekte: Nämlich der Gesamtheit von relationalen Beziehungen, (u.a. soziologisch betrachtet) also der Verhältnisse innerhalb und zwischen verschiedenen Strukturen. Und mit dem Vorhandensein (und dem praktischen Reproduziert- und/oder Infragegestellt-Werden) von Intersektion von verschiedenen Faktoren und Verhältnissen. Und darin verwoben und/oder u.a. von diesen ko-konstituiert: die Fragmente anderer Menschen, die in qualitativ-strukturell andere relationale Beziehungen zur Welt hineingeworfen sind.

Weiß zufällig (oder nicht) jemensch, ob (und gegebenenfalls: wie) Jean-Paul Sartre der Sprung von Subjekt-Haltung zu intersubjektiver Geltungsbegründung geglückt ist?

Existenzialismus und Vernunft (Prozess und Logik)

Existenzialismus – u.a. eine Reaktion auf das Nichts, welches Menschen empfinden können bzw. welches sie erfassen kann. Das Nichts, entstanden durch die nicht (im historisch-konstruktivistischen Sinne: nicht mehr) vorgegebene Bedeutung (ggf. u.a. Sinn) des individuellen, sozialen [Gruppen- und Gemeinschafts-Ebene] und gesellschaftlichen [abstrakt distanzkonstitutierte Ebene] Lebens.
Die Existenz ist (auch) offen. Das, was ein Mensch “ist”, ist nicht essenziell festgelegt (hingegen durchaus verschiedenartig strukturell vorgeprägt) sondern wird in individuellen und sozialen Prozessen “gemacht” (in den verschiedenen Struktur- und Handlungsbereichen der Gesellschaft, zusammengefasst: kulturell, ökonomisch, politisch).
Meine Einschätzung: Hierbei ist die Offenheit dessen, was Mensch aus seiner Existenz machen kann, auf Basis des Nichts, zunächst auch ethisch völlig offen bzw. ohne Orientierung/Maßstab. Existenzialismus betont den Prozess-Charakter des Daseins, nicht den feststehenden Charakter von Dingen. Im Widerspruch dazu stünde z.B., auf den Sartre’schen Existenzialismus bezogen, wenn mensch Authentizität substanziell (aus)definieren würde. Durch den Existenzialismus wird das Handeln (als theoretische wie auch praktische Tätigkeit, ähnlich vielleicht zu Hannah Arendt) zum Raum, den Menschen schaffen können und an dem sie an der Geschichte aktiv teilnehmen. (Und nicht nur der Träger der strukturellen Ereignisse und Abfolgen sind.) Um wissen – bzw. sich immer wieder individuell reflexiv und sozial diskursiv erarbeiten – zu können, in welche Richtung das Handeln aber ausgerichtet sein soll (ethisch und politisch), kommt die Vernunft (im Sinne Immanuel Kants) wieder ins Spiel. Als ahistorische, auf Logik basierende Grundlage/Ausgangsbasis menschlicher Reflexion. Nicht substanziell (weitergehend) gefüllt, sondern logisch-abstrakt. Als Heuristik, die weder relativistisch, noch essenzialistisch ist. Auf deren Basis kann sich eventuell der existenzialistische Handlungsauftrag entfalten: Offen, ohne konkrete Festlegungen, was temporäre Subjekt- und Intersubjekt-Formen und (mehr oder weniger gewählte) Wege angeht. Und doch mit einem Maßstab für das Handeln und die Entwicklung (ggf., je nach Bereich und Sichtweise, von Fort- und Rückschritt).

Today I read something about Ludwig von Bertalanffy’s general system theory and Jean Paul-Sartre and the following view seemed convincing to me: ‘ontology precedes epistemology’. My thought about that was today:

                                                                                                                    Mo., July 21st, 2014

Ontology comes before epistemology:


1st: I am aware that there is something: I presuppose the being of things. I know the things from personal experience and from socialisation.

2nd: I can ask myself, what can I know and how can and do I know it, how am I informed about the world.

3rd: I can ask further: Is the knowledge/picture of the world (or any particular part of it) that I currently have correct (true, right, etc.) – in ethical and factual aspects.

Then I can go on and – while always keeping on hermeneutically reflecting and updating my picture(s) – search for authenticity in the perception and reconstruction of myself, the others, and the structures, systems and atmospheres we live in. Rationally and emotionally. On the basis of these reconstructions and ongoing hermeneutics, I can construct myself in a way that’s gradually and processually becoming (one level more) authentic. And – partly enlightenment-optimistically said – maybe becoming step by step ever more authentic to myself and others. For a more emancipated inter-subjective communication and acting – and at the same time based on intersubjective communication and actions.

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Own thoughts,
inspired by: Ludwig von Bertalanffy, Jean-Paul Sartre
based on the article:

Georgiou, Ion (1999): Groundwork of a Sartrean Input Toward Informing Some Concerns of Critical Systems Thinking.
In:
Systemic Practice and Action Research 12 (6), S. 585–605.
DOI: 10.1023/A:1022499527360

Für die Politiktheorie gilt glaube ich, gleich oder mehr als für andere Bereiche des Reflexiven, die falsifizierbare ‘Alles gesagt’-Spekulation: Es ist bereits alles gesagt, nur noch nicht von allen. Vielleicht eine Art Entropie. Aller-dings kann es immer noch mal wieder neu kombiniert werden. Unter anderem das macht es manchmal interessant.

Kein richtiges Leben im Falschen als Ausschlussverfahren

Mensch weiß nicht so viel darüber, was und wie das richtige Leben ist. Aber mensch weiß doch relativ viel davon, was das falsche Leben wäre bzw., hoffentlich nur kurzfristig mal, ist. Das sind, meiner kant’sch basierten Lebensphilosophie nach, Einsichten der Vernunft.

Widersprüche, die gegen einen tiefgehenden (ernsthaften) gesellschaftlichen Liberalismus sprechen:

1. Autoritäre Charaktere brauchen nicht nur eine private Sphäre, die sie haben könnten, um untereinander freiwillig ihre Präferenzen ausleben zu können. Sie wollen auch politisch mitreden und repräsentiert sein, und konstitutionell-kulturell sich ausleben. Das ist aus liberaler, mindestens republikanisch-liberaler Sicht, auch (ob mensch es mag oder nicht) richtig. Aber eine liberale Gesellschaft als konstitutionell-kulturelles Produkt kann autoritäre Neigungen im Verfassungs- und gesetzlichen Bereich nicht repräsentieren. Daher Punkt 1 der vielen Dinge, die gegen eine liberale Konstitution (im weiten, Buchanan’schen Sinne) der Gesamtgesellschaft sprechen.

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